01:00:00: Deutsche Bank präsentiert: PERSPEKTIVEN To
01:00:04: Go. Ihr Audio-Podcast rund um das Thema Börse.
01:00:07: Ist es eine Schwäche oder sogar ein
01:00:11: Verfall? Fakt ist: Der
01:00:13: Dollar hat in den vergangenen
01:00:14: Monaten gegenüber dem Euro stark an Wert
01:00:16: verloren. Was das für die US-Wirtschaft,
01:00:19: die globale Wirtschaft, die Finanzmärkte
01:00:21: und Anleger bedeutet,
01:00:22: darüber spreche ich mit
01:00:23: Uli Stephan von der Deutschen Bank. Mein
01:00:25: Name ist Jessica
01:00:26: Schwarzer und damit herzlich willkommen
01:00:27: zu den PERSPEKTIVEN To Go. Uli, Dollar-
01:00:30: Schwäche oder Dollar-
01:00:32: Verfall? Ja, also wir haben ja an
01:00:34: dieser Stelle, Jessica, schon mehrfach auch
01:00:36: über den Dollar berichtet, der
01:00:37: natürlich einen spektakulären
01:00:39: Rückgang erlebt hat im ersten Halbjahr
01:00:42: des vergangenen Jahres.
01:00:44: Ich habe hier gerade mal
01:00:45: Bloomberg aufgemacht - seit dem 01. 07. 2025
01:00:50: hat sich der Dollar genau
01:00:52: überhaupt gar nicht bewegt.
01:00:54: Also er steht wirklich exakt auf dem
01:00:57: gleichen Niveau. Na ja gut, ich nehme es
01:00:59: ein bisschen zurück.
01:01:00: Wir hatten 1,1818 haben wir im Moment und
01:01:03: wir hatten 1,1806 am 01. 07.
01:01:06: Also es ist wirklich keine
01:01:08: dramatische Entwicklung. Es war mit den
01:01:11: Diskussionen um Grönland, um
01:01:15: Zölle und so weiter gab es mal
01:01:17: eine gewisse Bewegung. Das ist natürlich
01:01:20: auch nicht
01:01:20: auszuschließen, dass wir das in der
01:01:22: Vergangenheit – in der Zukunft noch mal sehen
01:01:25: werden. Aber wie gesagt
01:01:27: unterm Strich seit einem guten
01:01:28: halben Jahr sehen wir da Bewegung mit
01:01:31: relativ hohen
01:01:32: Volatilitäten, aber eher seitwärts,
01:01:35: als dass wir da einen Trend ausmachen
01:01:36: können. Und warum lese
01:01:38: ich dann gerade vor einigen
01:01:39: Tagen in einer großen deutschen
01:01:40: Wirtschaftszeitung: "Gerät Trumps
01:01:43: kalkulierter Dollar-Verfall außer
01:01:45: Kontrolle?" oder auf einer Webseite eines
01:01:48: großen Nachrichtenmagazins "Der
01:01:49: Vertrauensverlust des
01:01:50: US-Dollars wird zum globalen Risiko", wenn
01:01:53: doch eigentlich so viel
01:01:54: gar nicht passiert ist in den
01:01:55: letzten Wochen? Ja, es liegt
01:01:57: wahrscheinlich daran, dass vom 16.01.
01:02:00: angerechnet, ich gucke mal gerade
01:02:02: bis in die Spitze, das war dann der
01:02:05: 27. 01., der Dollar von
01:02:07: knapp 116 auf etwas über 120
01:02:12: gelaufen ist. Seitdem ist er aber wieder
01:02:14: etwas fester geworden, wie
01:02:16: gesagt, auf 1,18 ein bisschen.
01:02:18: Insofern war das mal eine Bewegung von 4
01:02:21: Cent, die wir da gesehen
01:02:22: haben im Zuge dieser schon
01:02:24: genannten Diskussion. Das hat sich aber
01:02:26: mittlerweile wieder
01:02:27: relativiert. Da musst du wahrscheinlich
01:02:28: die Journalisten fragen, warum die solche
01:02:31: Schlagzeilen dann produzieren. Es ist ja
01:02:34: auch nicht ganz klar,
01:02:35: also die Äußerungen der amerikanischen
01:02:37: Administration gehen mal in
01:02:39: die eine, mal in die andere
01:02:40: Richtung. Natürlich möchte man einen
01:02:41: etwas schwächeren Dollar
01:02:42: haben, um den Außenhandel und
01:02:45: die Importe entsprechend auch zu bewegen.
01:02:49: Dazu dienen ja auch die
01:02:50: Zölle unter anderem. Auf der
01:02:53: anderen Seite möchte man aber unbedingt
01:02:54: Leitwährung der Welt bleiben und auch in
01:02:57: den Währungsreserven
01:02:59: die entsprechende, sowohl im Handel wie
01:03:01: auch in den Währungsreserven, die
01:03:02: entsprechende Bedeutung
01:03:03: behalten. Das wird nicht beides
01:03:05: funktionieren und insofern, ja,
01:03:08: wie gesagt, geht der Dollar im
01:03:10: Moment seitwärts und ich würde auch
01:03:13: erwarten, dass wir das mit
01:03:14: relativ hohen Schwankungen in den
01:03:17: nächsten Wochen erleben werden. Jetzt
01:03:19: hast du schon ganz viele
01:03:19: Themen, die ich mit dir besprechen
01:03:20: wollte, angeschnitten. Fangen wir erstmal
01:03:23: an mit dem schwachen
01:03:25: Dollar, der eben von US-Präsident
01:03:27: Trump und seiner Regierung gewollt ist,
01:03:29: weil ein billigerer Dollar die
01:03:31: Wettbewerbsfähigkeit der
01:03:32: amerikanischen Industrie steigert. Stimmt
01:03:35: das? Kommt das an bei der
01:03:37: amerikanischen Industrie?
01:03:38: Ich glaube, da sind im Moment die Zölle
01:03:40: sogar noch wichtiger,
01:03:41: denn beides wirkt ja in die
01:03:42: gleiche Richtung. Der schwache Dollar
01:03:44: macht die Importe teurer
01:03:46: und die Zölle machen sie
01:03:47: dann noch mal teurer. Das heißt, das
01:03:49: Ganze ist dann wieder inflationstreibend
01:03:52: für die amerikanischen
01:03:53: Konsumenten. Im Moment wird es, fängt es
01:03:56: so langsam an, dass es sich
01:03:57: übersetzt. Jerome Powell hat
01:03:58: auf der Pressekonferenz der
01:04:01: amerikanischen Notenbank auch darauf
01:04:02: hingewiesen, dass es noch ein bisschen
01:04:04: dauern wird, bis diese ganze
01:04:06: Dollar-Zoll-Entwicklung sich aus der
01:04:08: Inflation wieder herausgekämpft hat.
01:04:11: Wir sehen ja keine großen Anstiege in der
01:04:14: Inflation, aber sie ist
01:04:15: eben hartnäckig um die 3%
01:04:17: herum, je nachdem, ob man auf Core oder
01:04:19: auf Headline Inflation guckt,
01:04:21: also auf die Gesamtinflation
01:04:22: oder minus der sehr schwankungsanfälligen
01:04:26: Bestandteile wie
01:04:28: Nahrungsmittel und Energie. Und in
01:04:31: sofern wirkt es natürlich ein Stück weit,
01:04:35: aber wie gesagt, die Zölle sind da
01:04:36: sicherlich die größere
01:04:38: Diskussion im Moment.
01:04:39: Wirtschaftsministerin Katharina Reiche
01:04:41: hat gesagt, je stärker Dollar und
01:04:43: Euro auseinanderweichen, desto stärker
01:04:45: gerät auch unsere
01:04:46: Exportindustrie unter Druck und dass eben
01:04:50: diese Abwertung des Dollars für die
01:04:53: deutschen Exporteure wie so ein
01:04:55: zusätzlicher Zoll wirkt.
01:04:58: Wie kann man da als europäisches
01:05:00: Unternehmen, als deutsches Unternehmen
01:05:01: gegensteuern, sichern die sich ab?
01:05:03: Ja, also das ist natürlich genau der
01:05:05: umgekehrte Effekt, den wir gerade in
01:05:06: Amerika beschrieben haben. Ist
01:05:08: so, keine Frage. Auf der anderen Seite
01:05:11: würde ich aber auch da die
01:05:12: Kirche im Dorf lassen, als der
01:05:14: Euro das Licht der Welt erblickt hat vor
01:05:17: rund 25 Jahren, wenn ich
01:05:19: das richtig im Kopf habe,
01:05:21: oder so. Jetzt sehen wir wie gesagt bei
01:05:24: 1,18, handelsgewichtet
01:05:26: dürfte der Dollar auch in etwa
01:05:28: auf diesem Niveau sein. Also ich weiß
01:05:31: nicht, woher immer diese
01:05:32: Schlagzeilen dann kommen. Die
01:05:35: deutsche Wirtschaft war sicherlich über
01:05:37: Jahrzehnte gewohnt mit
01:05:38: einer starken Währung umzugehen,
01:05:41: denn die D-Mark hat auch tendenziell zu
01:05:44: anderen Währungen
01:05:45: aufgewertet und deswegen hatte man
01:05:47: da immer einen gewissen
01:05:48: Wettbewerbsnachteil über die Währung. Das
01:05:51: gilt jetzt wahrscheinlich dann
01:05:53: auch wieder. Man kann dem umgehen, ja, mit
01:05:55: Absicherungen, mit Verlagerung von
01:05:57: Wertschöpfungsketten,
01:05:59: wie gesagt, das findet ja auch statt im
01:06:00: Zuge der Zoll-Diskussionen,
01:06:03: aber man muss vor allen Dingen
01:06:05: natürlich an seiner eigenen
01:06:06: Innovationskraft und
01:06:07: Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Noch mal,
01:06:10: das zeichnet die deutschen Unternehmen
01:06:12: ganz nebenbei genauso wie die Schweizer
01:06:14: Unternehmen seit Jahrzehnten
01:06:15: aus und darauf müssen sie sich besinnen
01:06:19: und damit auch umgehen
01:06:20: können. Aber es ist natürlich,
01:06:22: wenn wir uns die Entwicklung seit dem
01:06:23: Amtsantritt von Donald Trump angucken,
01:06:25: schon extrem. Da hat
01:06:26: der Dollar gegenüber dem Euro fast 20
01:06:29: Prozent verloren und das
01:06:31: sind ja wirklich Welten zu dem,
01:06:33: was sonst an den Devisenmärkten
01:06:35: passiert. Zumindest wenn wir
01:06:37: von Dollar und Euro sprechen,
01:06:38: es ist eher so, wie wir das an den
01:06:40: Aktienbörsen gewöhnt sind.
01:06:43: Müssen wir uns als Anleger an
01:06:45: solche Währungsschwankungen gewöhnen?
01:06:47: Aber Jessica, das ist ein
01:06:48: Jahr her. Also wir reden jetzt
01:06:50: wirklich über Vergangenheit. Wir haben
01:06:52: gesagt, dass es natürlich
01:06:53: spektakulär war, als der Dollar
01:06:55: im ersten Halbjahr 2025 so stark
01:06:59: abgewertet hat, so stark wie seit 1973
01:07:02: nicht mehr. Wir haben das
01:07:03: hier auch mehrfach diskutiert. Damals ist
01:07:06: das Bretton-Woods-System
01:07:08: zusammengebrochen, also die
01:07:10: Golddeckung des amerikanischen Dollars,
01:07:14: der ja oder diese
01:07:15: Golddeckung wurde ja nach dem Zweiten
01:07:17: Weltkrieg etabliert. Das war natürlich
01:07:20: schon bemerkenswert und es
01:07:22: war eben mindestens genauso
01:07:23: bemerkenswert, dass sich das oder dieser
01:07:25: Verfall dann 2025 wiederholt
01:07:28: hat. Seitdem gehen wir aber
01:07:29: seitwärts. Jetzt kommt es eben darauf an,
01:07:32: Jessica, werden wir wieder
01:07:33: Zölle sehen, werden wir wieder
01:07:35: Protektionismus sehen oder kommen wir da
01:07:37: in etwas ruhigere Fahrwasser, wo man sich
01:07:40: auf die Fiskalpakete,
01:07:41: auf Wachstum konzentriert. Nicht
01:07:43: vergessen, in Amerika stehen
01:07:44: ja auch die Midterm Elections
01:07:46: in diesem Jahr. Ich habe den
01:07:47: Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff gelesen,
01:07:50: der sagt, der Dollar wird
01:07:52: in den nächsten zehn Jahren massiv an
01:07:54: Gewicht verlieren. Ich erwarte das
01:07:56: Endspiel in 15 bis 20
01:07:58: Jahren. Die Zölle, die politische
01:08:00: Unberechenbarkeit der USA und die Schulden –
01:08:02: all das beschleunige
01:08:03: einen schleichenden Abstieg der
01:08:06: Leitwährung. Also erleben wir wieder so
01:08:08: einen Systemwechsel,
01:08:10: wie wir ihn in den Siebzigern erlebt haben.
01:08:12: Besteht diese Gefahr? Ja,
01:08:13: also Prognosen auf die nächsten
01:08:14: 15 Jahre zu machen sind sicherlich immer
01:08:17: spektakulär, aber da wird
01:08:19: sich im Zweifelsfall in 15
01:08:21: Jahren keiner mehr dran erinnern, wenn
01:08:22: man falsch gelegen hat.
01:08:24: Dass der Dollar langfristig an
01:08:26: Bedeutung verliert, wissen wir seit
01:08:30: einigen Jahren. Hier gibt es
01:08:32: Research von Barry Eichengreen,
01:08:34: dass der Dollar so etwa 1,5 Prozent-
01:08:37: punkte pro Jahr an Bedeutung im Handel
01:08:40: und vor allen Dingen auch
01:08:41: bei den Währungsreserven verliert. Das
01:08:44: hängt sicherlich auch mit
01:08:46: dem Aufstieg Chinas zusammen.
01:08:48: Es gibt keine Währung, die sich im Moment
01:08:50: aufdrängt, außer vielleicht
01:08:52: Gold. Und hier die Funktion
01:08:56: des Dollars ein Stück weit auffängt. Aber
01:08:59: langfristig sind die Schulden in den USA
01:09:01: natürlich ein Thema.
01:09:02: Auch das hat Jerome Powell auf der
01:09:04: Pressekonferenz nochmal deutlich gemacht.
01:09:06: Ich fand fast schon in
01:09:08: ungewohnter Art und Weise hier politisch
01:09:11: argumentiert, dass es nicht
01:09:13: nachhaltig ist, was die USA da
01:09:15: machen. Haushaltsdefizite in einer
01:09:18: Größenordnung von 5, 6, 7 Prozent jedes
01:09:21: Jahr bei einem jetzt schon
01:09:23: vorhandenen Schuldenstand von über 120
01:09:25: Prozent aufs
01:09:27: Bruttoinlandsprodukt. Da muss Amerika
01:09:30: langfristig ran. Wir sehen im Moment
01:09:33: keine Probleme am Rentenmarkt, aber
01:09:35: langfristig können die
01:09:37: natürlich auftreten. Und wie gesagt,
01:09:39: deswegen muss man an dieses
01:09:41: Thema heran. Wir haben aber auch
01:09:43: schon hier diskutiert, Jessica, dass der
01:09:45: Haushalt ja in großen
01:09:46: Teilen mandatorisch ist. Also man
01:09:48: gar nicht kürzen kann, weil da auch
01:09:51: Pensionszusagen, weil die
01:09:53: Gesundheitsversorgung,
01:09:55: weil ähnliche Themen wie
01:09:55: das Militär daran hängen. Hier hat der
01:09:58: amerikanische Präsident ja sogar gesagt,
01:10:00: dass er die Ausgaben
01:10:01: nochmal erhöhen möchte. Also lange Rede,
01:10:04: kurzer Sinn. Es wird nicht
01:10:06: ganz einfach sein, über die
01:10:07: Ausgabenseite diese Defizite in den
01:10:10: Vereinigten Staaten zu adressieren. Man
01:10:12: muss das wahrscheinlich
01:10:13: über die Einnahmenseite tun. Das passiert
01:10:15: aber im Moment nicht, sondern im
01:10:16: Gegenteil. Und deswegen
01:10:18: kann es langfristig zu einem Thema
01:10:21: werden. Ganz kurzfristig sehen wir
01:10:23: überhaupt gar keinen Stress
01:10:24: an den Märkten. Lass uns nochmal auf die
01:10:26: Folgen für Anlegerinnen und
01:10:27: Anleger schauen. Das haben
01:10:28: wir zwar schon mal getan, auch eben als
01:10:30: wir das vergangenes Jahr
01:10:31: rekapituliert haben, aber es ist
01:10:33: trotzdem ziemlich spannend. Uns
01:10:35: Euroanleger hat dieser Rückgang des
01:10:38: Dollars, diese Schwäche ja
01:10:40: schon getroffen. Also wäre ich nicht
01:10:42: stark in US-Aktien
01:10:44: investiert, war oder bin, wenn ich in
01:10:47: Gold investiert habe, dann habe ich zwar
01:10:48: trotzdem eine gute Performance
01:10:50: eingefahren, aber sie hätte
01:10:51: besser sein können, weil Gold eben in
01:10:55: Dollar gehandelt wird. Also
01:10:57: man muss schon als Anleger
01:10:58: auch so ein bisschen die Devisenmärkte
01:11:00: im Blick haben, oder?
01:11:01: Überhaupt gar keine Frage. Das ist
01:11:03: sicherlich so, man muss wahrscheinlich
01:11:05: dagegen rechnen, was wir vorhin schon
01:11:07: hatten, die besseren
01:11:08: Exportmöglichkeiten bzw. die im Ausland
01:11:12: erzielten Gewinne werden ja dann in
01:11:14: Dollar gerechnet, wenn
01:11:15: der Dollar schwächer ist, höher
01:11:17: ausfallen. Und deswegen sind die
01:11:20: Schwankungen immer dann ein
01:11:21: Problem, wenn sie sehr stark sind, so wie
01:11:23: wir das eben im ersten Halb-
01:11:24: jahr ’25 gesehen haben. Wenn
01:11:26: das so schleichend passiert, ist das in
01:11:29: der Regel ein Thema, mit
01:11:30: dem sowohl die Unternehmen,
01:11:31: Stichwort Absicherung und so weiter und so
01:11:34: fort, umgehen können, die
01:11:36: aber auch für die Börse
01:11:37: dann verkraftbar sind. Also schlimm sind,
01:11:39: was heißt schlimm sind,
01:11:40: problematisch sind, wenn die
01:11:42: Schwankungen sehr kurzfristig sehr stark
01:11:45: auftreten. Wir hatten ja schon gesagt,
01:11:47: dass die Amerikaner sich
01:11:49: um ihre Schulden kümmern müssen, dass wir
01:11:50: auch so einen langsamen
01:11:52: Bedeutungsverlust, Rückgang im
01:11:56: amerikanischen Dollar erwarten über die
01:11:58: nächsten Jahre. Ich sehe da
01:12:00: keinen Big Bang, sondern man
01:12:03: muss dann wahrscheinlich, wenn man
01:12:04: Anleger ist, sehr genau
01:12:06: darauf achten, welche Effekte eben
01:12:08: überwiegen. Diejenigen, die sehr stark in
01:12:11: die Vereinigten Staaten
01:12:12: importieren, für die wird
01:12:14: natürlich dann der Import einfach teurer.
01:12:18: Zölle plus Währung für
01:12:20: diejenigen, die auch sehr starke
01:12:21: Gewinne, das sind vor allen Dingen die
01:12:23: Digitalunternehmen im Ausland erzielen,
01:12:25: werden eben die Gewinne
01:12:26: in Dollar sogar höher sein und deswegen
01:12:29: müsste man, glaube ich,
01:12:31: auf Sektoren wiederum gucken,
01:12:33: wahrscheinlich sogar auf einzelne
01:12:34: Unternehmen, um die Effekte genau
01:12:36: auszurechnen, wenn nochmal
01:12:39: dieser weitere Dollarverfall nicht
01:12:41: dramatisch in kurzer Zeit stattfindet,
01:12:44: sondern eher von mir
01:12:45: erwartet, graduell über die nächsten
01:12:47: Jahre sein wird. Das heißt,
01:12:49: du würdest auch nicht sagen,
01:12:50: dass es Sinn macht, dass ich mich jetzt
01:12:51: als Privatanlegerin
01:12:53: absichere und währungsgesicherte Produkte
01:12:56: kaufe, oder? Na ja, man kann das schon
01:12:57: machen, vor allen Dingen,
01:12:58: wenn man diese Schwankungen eben
01:13:00: nicht haben möchte. Wir haben ja gesehen,
01:13:02: dass je nachdem, welche
01:13:03: Nachrichten da gerade aus der
01:13:05: Politik kommen, die Schwankungen
01:13:07: kurzfristig schon relativ hoch sein
01:13:09: können und wenn man das eben
01:13:11: ausschließen möchte, dann kann man das
01:13:13: sicherlich tun. Man muss berücksichtigen,
01:13:15: wenn man langfristig
01:13:16: investiert ist, dass solche Absicherungen
01:13:18: auch Geld kosten und
01:13:21: deswegen ist das eben wirklich
01:13:22: eine Frage auch der Risiko-Einschätzung
01:13:25: kurzfristig, langfristig, wie und wo will
01:13:27: ich investiert sein.
01:13:29: Wenn man nochmal diese Schwankungen
01:13:30: ausschließen möchte, dann sind
01:13:33: währungsgesicherte Investments
01:13:34: sicherlich auch die richtige Wahl dafür.
01:13:37: Man könnte ja aber
01:13:37: auch einfach das über die
01:13:38: Aktienquote steuern, indem man einfach
01:13:41: sagt, ich investiere im
01:13:42: Moment stärker in Europa als im
01:13:44: Euro-Raum, als im Dollar-Raum,
01:13:46: Entschuldigung. Ja, aber dann schließe
01:13:47: ich natürlich gerade die
01:13:49: dynamischen Technologieunternehmen aus,
01:13:52: die ich ja vielleicht haben
01:13:53: möchte. Also da würde ich dann
01:13:55: auch wieder auf die Sektoren gucken.
01:13:56: Europa traditionell stark,
01:13:58: was Industrie angeht, was
01:14:00: zyklischen Konsum angeht, da wird auch
01:14:03: gerade mit den
01:14:04: Fiskalpaketen in Europa sicherlich eine
01:14:06: gute Performance möglich sein. Europa ist
01:14:09: aber sehr dünn besät mit
01:14:12: Technologieunternehmen,
01:14:14: die findet man dann eben in Asien oder in
01:14:16: den Vereinigten
01:14:17: Staaten. Und wenn man dann dort
01:14:19: investieren möchte, dann ist man eben im
01:14:22: Dollar investiert und
01:14:24: kann das nur über Hedging,
01:14:26: sprich über Absicherungen dann dieses
01:14:28: Risiko zumindest ein
01:14:29: Stück weit herausnehmen.
01:14:31: Das heißt aber doch eigentlich auch
01:14:33: immer, Währungen lassen sich nicht
01:14:35: prognostizieren. Kann
01:14:36: ich dann vielleicht als langfristige
01:14:38: Anlegerin auch einfach
01:14:39: sagen, Augen zu und durch und ich
01:14:41: gucke da gar nicht hin. Und das Jahr 2025
01:14:43: war halt ein ganz
01:14:44: besonderes? Ja, wie angesprochen
01:14:46: kann man das natürlich machen, wenn man
01:14:48: sagt, gut, ich gucke mir die
01:14:50: Sektoren an, die vielleicht
01:14:52: sogar von einem schwächeren Dollar
01:14:53: profitieren werden. Ich bin
01:14:55: langfristig investiert, ich
01:14:56: möchte kein Geld für Absicherung
01:14:58: ausgeben und ich erwarte vor allen
01:14:59: Dingen keinen "Big Bang".
01:15:00: Ich erwarte nicht, dass der Dollar jetzt
01:15:03: nochmal in der Weise
01:15:04: abwertet, wie wir das im ersten
01:15:07: halben Jahr 25 gesehen haben. Dann würde
01:15:10: ich sogar, vielleicht
01:15:11: sogar präferieren, dass man
01:15:14: schlicht in diesen Dollar-Aktien
01:15:17: investiert und sie langfristig liegen
01:15:19: lässt. Ich hätte nie gedacht,
01:15:20: dass Währungen mal so ein spannendes
01:15:22: Thema werden, vor allem wenn
01:15:23: es um den Dollar und den Euro
01:15:25: geht. Das ist ja eigentlich eher so, was
01:15:26: man erwartet bei
01:15:27: Schwellenländerwährungen,
01:15:28: vielleicht sollten wir uns das Thema
01:15:29: irgendwann auch mal
01:15:30: vornehmen. Ich glaube mit Dollar und
01:15:33: Euro sind wir für jetzt erstmal durch.
01:15:35: Vielen Dank für diese PERSPEKTIVEN To
01:15:36: Go! Aber herzlich gerne, Jessica.