01:00:00: Deutsche Bank
01:00:02: präsentiert Perspektiven To Go.
01:00:04: Ihr Audio-Podcast
01:00:06: rund um das Thema Börsen.
01:00:08: Der Nahost-Konflikt bleibt das bestimmende
01:00:11: Thema an den Märkten.
01:00:12: Hohe Energiepreise, die gesperrte Straße
01:00:14: von Hormus, die Angst
01:00:15: um die Weltwirtschaft,
01:00:16: die Stimmung an den Finanzmärkten bleibt
01:00:18: angespannt, die
01:00:20: Schwankungen sind weiterhin
01:00:21: hoch.
01:00:21: Wie Anleger damit umgehen sollten, welche
01:00:23: Risiken, aber auch
01:00:24: Chancen es aktuell gibt.
01:00:25: Darüber spreche ich mit Uli
01:00:26: Stephan von der Deutschen Bank.
01:00:28: Mein Name ist Jessica Schwarzer.
01:00:29: Damit herzlich willkommen zu einer neuen
01:00:31: Ausgabe der Perspektiven To Go.
01:00:34: Uli, seit Ausbruch des Iran-Krieges
01:00:36: fahren die Börsen Achterbahn,
01:00:38: müssen wir das weiterertragen?
01:00:39: Ja, ich befürchte schon, Jessica.
01:00:41: Wir wissen alle nicht, wann und welcher
01:00:43: Form es ein Ende dieses
01:00:44: Krieges um den persischen
01:00:46: Golf herum gibt.
01:00:47: Und solange ist natürlich jede Meldung,
01:00:50: die rauskommt, dazu
01:00:52: angezeigt, dass die Märkte
01:00:54: in die eine oder andere
01:00:54: Richtung bewegt werden.
01:00:56: Hoffnung ist einfach da, dass es
01:00:57: schneller geht, dass man die Straße von
01:00:59: Hormus wieder öffnet.
01:01:01: Aber bisher ist das eben nicht der Fall
01:01:03: und insofern sind die
01:01:05: Volatilitäten sehr hoch
01:01:07: an den Märkten.
01:01:08: Hauptgrund dafür sind ja die stark
01:01:09: gestiegenen Energiepreise.
01:01:11: Wie groß ist die Bedeutung der Region für
01:01:13: unsere Versorgung mit
01:01:14: Öl und Gas, also unsere
01:01:14: hier in Deutschland?
01:01:15: Ja, sie ist gar nicht so gravierend hoch.
01:01:18: Wir bekommen ungefähr 10 Prozent des
01:01:21: Gases aus dem Mittleren
01:01:23: Osten durch die Straße von
01:01:26: Hormus.
01:01:27: Wir kriegen das meiste Gas aus Norwegen
01:01:29: und den Vereinigten
01:01:30: Staaten von Amerika mittlerweile.
01:01:33: Natürlich bekommen wir
01:01:33: auch Öl aus dieser Region.
01:01:35: Wir sind aber deutlich gasabhängiger.
01:01:38: Also es ist nicht ein direktes
01:01:40: Knappheitsthema für Europa, aber es ist
01:01:42: natürlich ein Preisthema,
01:01:44: dass sich die Preise dann nach dem
01:01:45: Weltmarkt richten, weil
01:01:46: ganz überwiegend Öl und Gas
01:01:49: durch die Straße von Hormus
01:01:51: nach Asien transportiert wird.
01:01:53: Und ja, wenn man dann auf dem Weg nach
01:01:55: Asien mehr verdienen
01:01:56: kann, dann macht man das eben
01:01:58: und die Preise steigen entsprechend.
01:02:00: Das ist, wenn mich auch meine nächste
01:02:01: Frage, wie es mit anderen
01:02:02: Ländern und Regionen aussieht,
01:02:04: wer ist da eben Profiteur
01:02:06: und wer leidet besonders?
01:02:08: Also zunächst mal, Jessica, ist das
01:02:09: wirklich insgesamt keine gute Situation
01:02:11: für die Weltwirtschaft?
01:02:13: Das muss man einfach so sagen.
01:02:14: Der Mittlere Osten ist hier die Straße
01:02:17: von Hormus, vor allen Dingen sehr
01:02:18: entscheidend für die
01:02:20: Versorgung der Welt mit Energie, aber
01:02:23: auch Energie lastigen
01:02:26: Vorprodukten, wenn man so will.
01:02:28: Ich habe beispielsweise gelesen, dass
01:02:29: jetzt eine der größten,
01:02:31: wenn nicht die weltgrößte,
01:02:32: Schmelze für Aluminium in Bahrain die
01:02:36: Forten schließt, weil man
01:02:37: eben dieses Aluminium gar
01:02:39: nicht mehr abtransportieren kann bzw. das
01:02:42: Bauxit nicht mehr nach Bahrain
01:02:44: transportiert werden
01:02:45: kann.
01:02:46: Also es hat schon Auswirkungen für die
01:02:48: ganze Welt insgesamt.
01:02:51: In Asien, Indien hat schon wirklich sehr
01:02:54: darauf hingedeutet, dass
01:02:55: man hier dringend wieder
01:02:58: vor allen Dingen auch Gas
01:02:59: braucht, natürlich auch Öl.
01:03:01: Das Gleiche gilt für
01:03:02: Taiwan, Korea, Japan, China.
01:03:05: Also das ist schon ein Thema.
01:03:06: Die USA sind relativ unberührt davon,
01:03:09: weil sie ja ein ganz
01:03:10: großer Produzent von Öl und
01:03:12: Gas sind und man wird natürlich sehen,
01:03:15: inwieweit sich auch
01:03:16: Russland über die höheren Preise
01:03:18: freuen kann, vor allen Dingen, weil ja
01:03:19: die Sanktionen zumindest
01:03:22: mal von US-Seite leicht
01:03:24: gelockert worden sind.
01:03:25: Also hat der Krieg ja logischerweise dann
01:03:26: auch massive Auswirkungen auf das
01:03:28: Weltwirtschaftswachstum.
01:03:30: Erste Institute haben ja schon ihre
01:03:32: Prognosen ein bisschen gesenkt.
01:03:34: Wie schlimm wird es?
01:03:35: Ja, das ist natürlich davon abhängig, wie
01:03:38: lange dieser Konflikt
01:03:39: anhält und wie lange
01:03:40: die Versorgung vor allen Dingen mit
01:03:42: Energie nicht stattfindet,
01:03:45: gestoppt ist in kleinerer
01:03:47: Zahl oder zu wesentlich
01:03:49: höheren Preisen stattfindet.
01:03:51: Schwer zu sagen, es hat allerdings jetzt
01:03:53: schon Auswirkungen, vor
01:03:54: allen Dingen auf der Gasseite.
01:03:56: Also man sieht, dass Öl, sogenannte
01:03:58: Backwardation, handelt.
01:04:00: Das heißt, die Preise
01:04:01: sind kurzfristig sehr hoch.
01:04:03: Die Terminkurse Richtung zweite Halbjahr
01:04:06: und vor allen Dingen
01:04:06: Jahresende fallen aber dann
01:04:08: doch wieder recht deutlich.
01:04:10: Also hier geht der Markt davon aus, dass
01:04:12: dieser Konflikt endlich
01:04:13: ist und dass vor allen Dingen
01:04:15: im zweiten Halbjahr dann die Versorgung
01:04:18: wieder normal sein wird.
01:04:20: Bei der Gasversorgung sieht das anders
01:04:22: aus, denn die europäischen
01:04:24: Speicher sind ausgesprochen
01:04:26: niedrig gefüllt für Europa
01:04:27: insgesamt unter 30 Prozent.
01:04:29: Für Deutschland nur gut 20 Prozent.
01:04:32: Also werden wir auch über den Sommer und
01:04:34: im Herbst natürlich
01:04:35: eine große Nachfrage nach
01:04:37: Gas sehen, um die Speicher wieder
01:04:39: auffüllen zu können.
01:04:40: Und deswegen ist zumindest was die
01:04:42: Terminkurse angeht an der Börse.
01:04:45: Der Gaspreis nicht fallend, sondern
01:04:47: bleibt in etwa auf dem
01:04:49: Niveau, was wir im Moment sehen.
01:04:50: Und das ist eben doch erheblich über dem,
01:04:53: was wir vor dem Konflikt gesehen haben.
01:04:55: Und wenn sich die Situation nicht
01:04:56: beruhigt, dann steigt ja
01:04:57: unweigerlich auch die Gefahr
01:04:59: einer höheren Inflation.
01:05:00: Was glaubst du, wie die
01:05:01: Notenbanken reagieren würden?
01:05:04: Was ist da im Augenblick
01:05:05: erwartet oder eingepreist?
01:05:06: Ja, also die Inflationserwartungen, die
01:05:08: auch an der Börse gepreist werden, sind
01:05:10: schon deutlich angezogen.
01:05:13: Vor allen Dingen auf kurze Sicht.
01:05:14: Also da ist sozusagen spiegelbildlich,
01:05:16: was wir auch am Ölmarkt sehen.
01:05:18: Man erwartet dann eben auch hier, dass
01:05:20: der Konflikt enden wird
01:05:22: und damit natürlich auch
01:05:23: die Preise wieder runtergehen.
01:05:24: Aber Inflationserwartungen für die USA,
01:05:27: 3%, für Europa sogar über 3%.
01:05:30: Also da sieht man das schon, auf ein Jahr
01:05:32: gesehen, da ist schon was passiert.
01:05:34: Und insofern preist der Markt im Moment.
01:05:36: Da muss man immer vorsichtig sein, weil
01:05:38: der Markt da auch sehr schnell hin und
01:05:40: her springt natürlich.
01:05:42: Aber er preist momentan nur noch einen
01:05:44: Zinsschritt der
01:05:45: amerikanischen Notenbank nach unten ein.
01:05:47: Wir werden ja auch einen neuen
01:05:48: Notenbank-Gouverneur
01:05:49: haben mit Kevin Walsh.
01:05:50: Also mal gucken, ob
01:05:51: das denn dann so kommt.
01:05:53: Unsere Prognose werden immer noch zwei
01:05:55: Zinsschritte in den Vereinigten Staaten,
01:05:57: weil auch der Arbeitsmarkt,
01:05:59: sagen wir mal, schwach läuft.
01:06:01: Auf der europäischen Seite preist der
01:06:03: Markt im Moment sogar
01:06:04: einen Zinsschritt nach oben
01:06:05: für die Europäische Zentralbank ein.
01:06:08: Und es wird deswegen sehr spannend sein
01:06:10: zu beobachten, wie
01:06:11: sich in den nächsten Tagen
01:06:13: kommen ja alle großen
01:06:13: Notenbanken sich äußern werden.
01:06:16: Vor allen Dingen in den Pressekonferenzen
01:06:18: zu den
01:06:19: Inflationserwartungen und vor allen Dingen
01:06:21: dann auch zu einer
01:06:22: potentiellen Geldpolitik.
01:06:23: Ich würde nicht erwarten, dass viel
01:06:25: passiert, sondern man wird sagen, dass
01:06:27: man weiter beobachtet
01:06:28: und datenabhängig dann bei der nächsten
01:06:30: Sitzung entscheidet.
01:06:31: Hätten in dieser ganzen Gemengelage die
01:06:33: Börsenkurse nicht eigentlich
01:06:34: viel stärker reagieren müssen?
01:06:36: Das weiß ich nicht.
01:06:37: Ich finde, sie haben ziemlich stark
01:06:38: reagiert, allerdings
01:06:39: nicht auf der Oberfläche,
01:06:41: sondern wieder darunter
01:06:42: in den einzelnen Sektoren.
01:06:44: Also wir leben sozusagen die
01:06:46: Rückabbildung der Revision,
01:06:48: wenn ich das so sagen darf.
01:06:49: Wir haben am Jahresanfang gesehen, dass vor
01:06:51: allen Dingen Technik,
01:06:53: insbesondere Software sehr stark
01:06:55: unter die Räder gekommen ist.
01:06:57: Da ging es um das Thema hohe
01:06:59: Investitionen, sinkende Cash Flows,
01:07:01: zunehmende Disruption.
01:07:04: Auf der anderen Seite sind eben
01:07:05: europäische Versorger zum
01:07:07: Beispiel sehr stark gestiegen.
01:07:10: Insgesamt auf der Wachstums. Auf der Seite der Wachstumsaktien
01:07:14: war es am Jahresanfang schwächer.
01:07:16: Die Value-Aktion haben besser performt.
01:07:19: Und das hat sich seit Anfang März ein
01:07:21: Stück weit ins Gegenteil
01:07:22: verkehrt, also umgekehrt.
01:07:25: Und dadurch, dass die Sektoren so
01:07:26: unterschiedlich reagieren, hat
01:07:28: natürlich dann auch der Markt
01:07:30: auf einer aggregierten Ebene weniger stark
01:07:32: reagiert, weil das eine
01:07:33: sozusagen das andere kompensiert.
01:07:36: Aber du hast schon recht, insgesamt hat
01:07:38: auch der MSCI World All
01:07:39: Countries 5,3% abgegeben
01:07:44: im Monat März und liegt damit jetzt fürs
01:07:47: Gesamtjahr minus 1,2%.
01:07:50: Also sicherlich auch auf einer
01:07:51: aggregierten Ebene insgesamt
01:07:53: negativ, wenn gleich wie gesagt
01:07:56: das Meiste davon jetzt
01:07:57: im März passiert ist.
01:07:59: Wie sollten Anleger
01:08:00: denn darauf reagieren?
01:08:02: Muss ich dann auch ein bisschen meine
01:08:03: Favoriten wechseln oder
01:08:05: bleibe ich einfach in meinen
01:08:06: breit streuenden ETFs und gehe da durch ja
01:08:09: Augen zu und durch eben?
01:08:10: Ja, es ist natürlich ganz schwer zu
01:08:12: sagen, wie diese Situation weitergeht.
01:08:14: Also wenn man sozusagen in Szenarien
01:08:16: denkt, müsste man sagen,
01:08:18: wer an eine schnelle Lösung
01:08:21: dieses Krieges glaubt oder zumindest
01:08:24: glaubt, dass die Straße
01:08:25: von Hormus kurzfristig wieder
01:08:27: befahrbar sein wird.
01:08:28: Der sollte tatsächlich auf zyklische
01:08:31: Werte setzen, überhaupt
01:08:32: Aktien dann übergewichten.
01:08:35: Wer glaubt, dass das nicht der Fall ist,
01:08:38: sollte eher auf
01:08:39: defensive Werte schauen, also
01:08:42: auch gerade Energieversorger sicherlich,
01:08:45: aber auch im
01:08:46: Rentenbereich dann aktiv werden und
01:08:49: wahrscheinlich ein Übergewicht eher in
01:08:51: den USA halten im Vergleich zu Europa.
01:08:54: Wer optimistischer ist, der sollte dann
01:08:56: Europa und vor allem
01:08:57: Asien, was ja auch sehr
01:08:58: gelitten hat unter diesen
01:08:59: Entwicklungen präferieren.
01:09:01: Wenn du sagst im Rentenbereich aktiv
01:09:03: werden, welche Anleihen
01:09:04: würde ich mir dann anschauen?
01:09:05: Ja, ich finde es bemerkenswert, dass im
01:09:07: Bereich der
01:09:08: Unternehmensanleihen die Spreads relativ
01:09:11: moderat auseinander gelaufen sind.
01:09:13: Das Zinsniveau insgesamt ist natürlich
01:09:14: nach oben gegangen,
01:09:16: aber das sieht mittlerweile
01:09:18: wieder einigermaßen attraktiv aus, vor
01:09:20: allen Dingen im Bereich
01:09:21: der besseren Bonitäten.
01:09:23: Ich würde aber auch
01:09:23: Staatsanleihen beimischen.
01:09:25: Wir haben mittlerweile Bundesanleihen im
01:09:26: zehnjährigen Bereich,
01:09:27: die bei fast 3% notieren.
01:09:30: Da werden eben die Inflationserwartungen
01:09:33: momentan eingepreist in
01:09:35: Italien, in Frankreich oder
01:09:37: auch in Großbritannien sind die Renditen
01:09:39: noch höher und damit ein
01:09:41: Stück weit attraktiver.
01:09:42: Auch US-Treasuries, dann ist man aber
01:09:44: natürlich dollarinvestiert,
01:09:46: genauso wie in Großbritannien
01:09:47: im Pfund.
01:09:49: Kriegt man Renditen, die
01:09:51: mittlerweile fast 4,3% wieder sind.
01:09:54: Das könnte schon sein, dass man hier zu
01:09:57: den relativ hohen
01:09:58: Zinsen auch noch Kursgewinne
01:10:00: mitnimmt, sollte dieser Konflikt enden
01:10:03: und vor allen Dingen
01:10:04: sollte er relativ bald enden.
01:10:05: Lass uns auch noch auf die Rohstoffmärkte
01:10:07: schauen, also vor
01:10:08: allem auf die Edelmetalle.
01:10:09: Wir haben ja schon auf den Ölpreis und
01:10:10: den Gaspreis geschaut,
01:10:11: aber lass uns auf Gold
01:10:13: schauen.
01:10:14: Das stand dem zuletzt auch im Fokus der
01:10:15: Anleger und hat nicht
01:10:16: immer ganz so reagiert, wie man
01:10:17: erwartet hätte, oder?
01:10:18: Das liegt aus meiner Sicht aber am
01:10:20: Dollar, der eben wieder
01:10:22: recht fest geworden ist und
01:10:24: da Gold ja typischerweise in Dollar
01:10:25: notiert, ist es dann in
01:10:28: Dollar, naja so in etwa auf
01:10:30: diesem Niveau geblieben.
01:10:32: Ich finde schon, wenn man in Euro guckt,
01:10:34: hat es einen gewissen
01:10:35: sicheren Hafen immer noch
01:10:37: gespielt.
01:10:38: Allerdings haben wir ja auch im Vorfeld
01:10:40: immer wieder gesagt, dass
01:10:41: Gold nicht nur von Notenbanken
01:10:43: gekauft wird, sondern eben auch von
01:10:45: Anlegern als Absicherung,
01:10:47: sogenannte Hedges genommen
01:10:49: worden ist für Investitionen im
01:10:51: Aktienmarkt, vor allen Dingen im Bereich
01:10:52: der Technologieaktien.
01:10:55: Und verkauft man eben Aktien, dann
01:10:57: verkauft man eben auch
01:10:58: seine Absicherung und damit
01:11:00: ist Gold ein Stück weit unter Druck
01:11:03: gekommen, allein aus der Fragestellung.
01:11:05: Ich brauche eben Liquidität in diesen
01:11:07: unsicheren Zeiten, weil
01:11:08: ich weiß noch nicht, wann ich
01:11:10: wieder zukaufen möchte.
01:11:11: Apropos unsichere Zeiten, es drohen schon
01:11:14: wieder neue Zölle von Donald Trump.
01:11:16: Was ist da los?
01:11:16: Wie soll ich das sagen?
01:11:17: Der Oberste Gerichtshof der Supreme Court
01:11:19: hat ja gegen die bisher
01:11:21: erhobenen Zölle gestimmt.
01:11:23: Es gibt einige Verfahren jetzt in den
01:11:25: Vereinigten Staaten, um
01:11:27: die Gelder zurückzuholen.
01:11:28: Mal gucken, wie das weitergeht.
01:11:29: Aber mit dem Urteil des Supreme Courts
01:11:32: hat eben die Politik
01:11:33: sofort reagiert und hat eine
01:11:35: andere rechtliche
01:11:36: Grundlage für Zölle erhoben.
01:11:39: Diese gilt aber nur für 150 Tage und
01:11:42: insofern diskutiert man
01:11:44: gerade in den USA, ob es eine
01:11:46: Zustimmung des Kongresses gibt oder man
01:11:48: nochmal eine andere
01:11:50: rechtliche Grundlage finden muss.
01:11:53: Der Finanzminister Scott Bessent hat
01:11:55: gesagt, dass die Zölle in
01:11:57: jedem Falle auf dem Niveau
01:11:59: bleiben werden, was eben ursprünglich
01:12:02: verhandelt worden war.
01:12:03: Mal gucken, wie die Europäer reagieren.
01:12:06: Sie haben ja gesagt, sie wollen bei dem
01:12:07: Abkommen bleiben, haben aber die
01:12:09: Ratifizierung im Moment
01:12:11: ausgesetzt.
01:12:12: Also da wird es sicherlich weiterhin
01:12:14: Diskussionen und auch Unruhe geben im
01:12:18: Bereich des internationalen
01:12:20: Handels und der Zölle.
01:12:21: Irgendwie scheint es, als ob es im
01:12:22: Augenblick überhaupt
01:12:23: keine guten Nachrichten an den
01:12:24: Märkten gibt.
01:12:25: Von der Autoindustrie in Deutschland
01:12:26: kommen sie auch nicht.
01:12:27: Aber gibt es vielleicht sonst positive
01:12:29: Impulse von der
01:12:29: Berichtssaison in Deutschland und
01:12:31: Europa?
01:12:32: Die Berichtssaison läuft nach wie vor gut, ist
01:12:33: aber natürlich ein
01:12:34: Stück weit Rückspiegel, weil
01:12:36: wir über das vierte
01:12:37: Quartal in 2025 reden.
01:12:40: Da waren die Erwartungen sehr gut.
01:12:42: Auch die Ausblicke waren sehr gut.
01:12:44: Das ist aber, wie gesagt,
01:12:45: fast alles noch Rückspiegel.
01:12:47: Und man muss gucken, wie jetzt die
01:12:49: Unterbrechungen im Handel,
01:12:51: Stichwortstraße von Hormus, aber
01:12:53: auch die deutlich gestiegenen
01:12:55: Energiepreise nicht nur auf
01:12:57: das direkte Geschäft, sondern
01:12:59: eben auch auf die Stimmung wirken.
01:13:02: Es kann ja durchaus sein und ich würde
01:13:04: sogar sagen, es ist
01:13:04: wahrscheinlich, dass diese
01:13:06: Unsicherheiten dazu führen, dass die
01:13:08: privaten Haushalte, privaten
01:13:10: Konsumenten weniger kaufen,
01:13:12: weniger nachfragen und auch
01:13:14: Investitionsentscheidungen möglicherweise
01:13:17: ein Stück weit zurückgestellt
01:13:18: werden.
01:13:18: Und insofern würde ich schon erwarten,
01:13:21: dass wir ein etwas
01:13:22: schwächeres Wachstum sehen,
01:13:25: dass wir auf der volkswirtschaftlichen
01:13:27: Seite wahrscheinlich aber
01:13:28: auch bei den Unternehmensgewinnen
01:13:30: zumindest als erwartet worden war.
01:13:32: Und die Ausblicke eben auch eher etwas
01:13:34: vorsichtiger werden.
01:13:35: Also erst mal kein
01:13:36: Licht am Ende des Tunnels?
01:13:37: Das will ich so nicht sagen.
01:13:39: Es ist eben genau die Frage, wie lange
01:13:41: dieser Konflikt anhält.
01:13:43: Da bin ich aber nicht involviert.
01:13:45: Da kann ich wenig zu sagen.
01:13:47: Ich wäre im Moment noch etwas vorsichtig.
01:13:49: Ich würde sozusagen nicht in die
01:13:50: Volatilität möglicherweise in das
01:13:52: fallende Messer hineingreifen,
01:13:54: sondern würde warten, bis
01:13:55: wir eine Bodenbildung sehen.
01:13:57: Dann verpasst man wahrscheinlich ein paar
01:13:59: Prozentpunkte auf der Upside.
01:14:02: Das wird möglicherweise
01:14:03: dann sehr schnell gehen.
01:14:05: Aber als Risikomanager würde ich da ein
01:14:09: Stück weit zu warten.
01:14:10: Wer einen langen Zeithorizont hat, wer
01:14:13: die Volatilitäten
01:14:13: aushalten kann, der kann sicherlich
01:14:16: auch jetzt schon auf der einen oder
01:14:17: anderen Seite versuchen,
01:14:19: in den Markt hineinzugehen.
01:14:21: Aber wie gesagt, da muss man Geduld haben
01:14:22: und man muss sicherlich
01:14:23: auch die Volatilitäten
01:14:24: aushalten können.
01:14:25: Und wie immer liegen Chance und Risiko
01:14:26: sehr nah beieinander.
01:14:28: Vielen Dank für diese Perspektiven To Go.