01:00:00: Deutsche Bank
01:00:02: präsentiert PERSPEKTIVEN To Go –
01:00:04: Ihr Audio-Podcast
01:00:06: rund um das Thema Börse.
01:00:08: In den kommenden Tagen treffen sich die
01:00:11: wichtigsten Notenbanken – und
01:00:12: das in Zeiten des Iran-Konflikts.
01:00:14: Die anhaltende Unsicherheit im Nahen
01:00:16: Osten belegt auch alle
01:00:18: Inflationsprognosen mit
01:00:20: erheblicher Unsicherheit.
01:00:22: Können wir also eher mit sorgenvollen
01:00:24: Worten von Fed, EZB, Bank of China und
01:00:29: wer auch sonst noch alles tagt rechnen?
01:00:31: Oder können wir vielleicht sogar mit
01:00:33: Taten rechnen und wie
01:00:34: werden die Märkte reagieren?
01:00:36: Darüber spreche ich mit Uli
01:00:37: Stephan von der Deutschen Bank.
01:00:39: Mein Name ist Jessica Schwarzer und damit
01:00:40: herzlich willkommen zu
01:00:41: den PERSPEKTIVEN To Go.
01:00:44: Uli, in den kommenden Tagen sind alle
01:00:46: Augen, zumindest die Augen der Börsianer,
01:00:47: auf die Notenbanken gerichtet.
01:00:49: Was erwartest du?
01:00:50: Ich erwarte tatsächlich, dass die
01:00:51: Notenbanken im Moment noch in einer
01:00:53: abwartenden Haltung sind.
01:00:55: Wir wissen nicht, wie lange der Konflikt
01:00:57: um die Straße von Hormus am
01:00:58: Persischen Golf dauern wird.
01:01:01: Wir wissen nicht, wie groß der
01:01:02: volkswirtschaftliche Schaden hinten raus
01:01:04: ist und auf der anderen Seite natürlich
01:01:06: auch die Inflation steigt.
01:01:07: Die Notenbanken werden das
01:01:08: mit großer Sorge beobachten.
01:01:11: Ich glaube aber, dass sie im
01:01:12: Moment noch nichts tun werden.
01:01:14: Man darf auch nicht vergessen, es ist
01:01:15: voraussichtlich die
01:01:16: letzte Notenbank-Sitzung
01:01:19: des amerikanischen Notenbank-Gouverneurs
01:01:21: Jerome Powell, der dann Mitte Mai abgelöst
01:01:24: werden sollte von Kevin Warsh.
01:01:26: Also insofern glaube ich nicht, dass
01:01:29: insbesondere die amerikanische, aber auch
01:01:31: die anderen Notenbanken
01:01:32: jetzt schon geldpolitische
01:01:34: Maßnahmen ergreifen werden.
01:01:35: Aber wir sehen, die kurzfristigen
01:01:37: Inflationsrisiken
01:01:38: steigen auch in den USA.
01:01:41: Wie reagieren denn die Märkte darauf?
01:01:42: Die Märkte sind in einem gewissen
01:01:45: Inflations-Trade nach wie vor.
01:01:47: Wenn der Ölpreis steigt, steigen die
01:01:49: Inflationserwartungen.
01:01:51: Damit verändern sich die
01:01:53: Erwartungen an die Notenbanken.
01:01:55: Also in Amerika werden weniger
01:01:57: Zinssenkungen eingepreist.
01:02:00: Wir hatten sogar mal eine Zinserhöhung
01:02:02: dort im Markt oder in
01:02:04: den Markterwartungen.
01:02:06: Im Moment glaubt der Markt, dass die
01:02:08: amerikanische Notenbank eher nichts tun
01:02:09: wird bis Jahresende.
01:02:10: Auf der europäischen Seite
01:02:11: sieht das aber völlig anders aus.
01:02:13: Da war nichts erwartet worden.
01:02:14: Da sind wir nun bei zwei Zinsschritten.
01:02:17: Japan hält sich relativ konstant bei zwei
01:02:19: Zinsschritten im Laufe des Jahres.
01:02:22: Manchmal ist es auch nur
01:02:23: einer, der dort eingepreist wird.
01:02:25: Also man wird sehen, aber vor dem
01:02:28: Hintergrund, wie gesagt, glaube ich, dass
01:02:29: sie auf dieser Sitzung
01:02:31: jetzt nichts machen werden, sondern
01:02:33: betonen werden, dass sie mit großer Sorge
01:02:36: die Situation weiter beobachten.
01:02:37: Bleiben wir noch mal kurz in den USA, was
01:02:39: ich da ganz spannend
01:02:40: fand, dass die längerfristigen
01:02:42: Inflationserwartungen
01:02:43: bemerkenswert stabil bleiben.
01:02:46: Was bedeutet das denn
01:02:47: für die Anleihmärkte?
01:02:48: Ja, das sieht man insgesamt nicht nur in
01:02:50: Amerika, dass das so ist,
01:02:52: dass vor allen Dingen die
01:02:52: kurzfristigen Inflationserwartungen
01:02:55: steigen, was auch mit den
01:02:56: Energiepreisen zu tun hat.
01:02:58: Denn wir haben ja nach wie vor
01:02:59: Backwardation
01:03:00: beispielsweise beim Ölpreis.
01:03:02: Also der Markt glaubt, dass mit jedem
01:03:05: Monat Zeit, der Verstreicht, der Ölpreis
01:03:09: etwas niedriger tendieren wird,
01:03:12: bedeutet eben der Markt preist ein, dass
01:03:14: das Problem Straße von Hormus in
01:03:18: absehbarer Zeit gelöst wird
01:03:19: und dass wir deshalb keine nachhaltig
01:03:22: hohen Inflationszahlen sehen werden.
01:03:25: Dazu kommt, Jessica, dass wir natürlich
01:03:27: in einer anderen Situation sind, als wir
01:03:30: nach der Corona-Krise waren.
01:03:32: Denn dort hat der Staat den privaten
01:03:34: Haushalten sehr viel Geld eingebucht.
01:03:37: Die Geldpolitik war sehr locker.
01:03:40: Insofern haben die Menschen dann dieses
01:03:42: Geld auch ausgeben wollen und das ist
01:03:45: dann eben auf diesen
01:03:47: damaligen Energie-Schock gestoßen, wo
01:03:50: viele Unternehmen die Preise angehoben
01:03:52: haben und eben das Publikum bereit war,
01:03:55: diese höheren Preise auch zu akzeptieren.
01:03:57: Ich glaube, diesmal
01:03:58: ist das ein wenig anders.
01:03:59: Die Menschen werden eher vorsichtig sein,
01:04:01: werden den Konsum zurückstellen,
01:04:03: zumindest nicht
01:04:04: unbedingt notwendige Güter.
01:04:06: Ähnliches gilt wahrscheinlich auch für
01:04:08: die Unternehmen, die auch
01:04:10: Investitionen zurückstellen.
01:04:11: Deswegen glaube ich, dass wir, ja, höhere
01:04:14: Inflation kriegen, vielleicht sogar über
01:04:16: 3 Prozent im Laufe des Sommers.
01:04:19: Aber dieser Inflationsschock wird nicht
01:04:21: so stark ausfallen, wie
01:04:23: wir es 2022 gesehen haben.
01:04:26: Wir hatten da ja im Prinzip so eine
01:04:27: extreme Inflationswelle, eine
01:04:29: historisch ziemlich extreme.
01:04:33: Ist das dann also keine Blaupause, weil
01:04:35: damals gab es ja diese extrem sportliche
01:04:37: Zinswende und die kam ja weder an den
01:04:40: Renten noch an den
01:04:40: Aktienmärkten besonders gut an.
01:04:42: Ja, absolut. Ich glaube, dass die
01:04:43: Notenbanken etwas vorsichtiger agieren
01:04:45: werden vor dem Hintergrund.
01:04:47: Sie werden natürlich aus 2022 gelernt
01:04:50: haben und werden eine solche hohe
01:04:52: Inflation nicht noch
01:04:54: einmal zulassen wollen.
01:04:55: Auf der anderen Seite ist der
01:04:57: Europäischen Zentralbank aber auch die
01:05:00: Zeit nach der großen Finanzkrise noch gut
01:05:02: in Erinnerung, wo sie zu früh die Zinsen
01:05:05: und zu stark angehoben hat, und damit das
01:05:07: Wachstum nachhaltig beschädigt.
01:05:10: Also insofern ist es keine einfache
01:05:12: Situation für die Notenbanken, denn wir
01:05:15: haben keinen nachfrageorientierten
01:05:17: Preisanstieg, sondern er
01:05:19: kommt eben von der Angebotsseite,
01:05:22: nämlich von knappen und teuren
01:05:24: Energiepreisen und auch den ganzen
01:05:27: petrochemischen Produkten, die ja auch
01:05:29: durch die Straße von
01:05:30: Hormus transportiert werden.
01:05:32: Da ist Geldpolitik natürlich eigentlich
01:05:34: nicht das ganz erste Mittel der Wahl.
01:05:37: Nichtsdestotrotz haben die Notenbanken
01:05:39: den Auftrag für Geldwertstabilität zu
01:05:41: sorgen und deswegen werden sie das
01:05:43: natürlich
01:05:43: geldpolitisch auch berücksichtigen.
01:05:45: Bevor wir gleich noch mal ein bisschen
01:05:46: stärker auf Europa eingehen,
01:05:47: nochmal kurz zurück in die USA.
01:05:49: Du hast es gerade schon erwähnt, da gibt
01:05:51: es jetzt demnächst einen neuen Fed-Chef
01:05:53: und das wird voraussichtlich Kevin Warsh
01:05:55: sein und der hatte jetzt auch seine
01:05:57: ersten öffentlichen Auftritte und das ist
01:06:00: natürlich auch mit Argusaugen
01:06:01: beäugt und beobachtet worden.
01:06:03: Was hat das mit diesen Auftritten auf
01:06:06: sich und hat er was Spannendes gesagt,
01:06:08: was vielleicht auch auf seine
01:06:09: Geldpolitik schließen lässt?
01:06:11: Also mit ersten Auftritten muss man etwas
01:06:12: vorsichtig sein. Er war ja schon mal vor
01:06:14: gut zehn Jahren in der Fed und dort auch
01:06:17: an prominenter Stelle.
01:06:19: Aber du hast natürlich völlig recht nach
01:06:20: der Nominierung des amerikanischen
01:06:22: Präsidenten haben jetzt beispielsweise
01:06:25: die Hearings, also die Anhörungen im
01:06:28: amerikanischen Senat stattgefunden.
01:06:31: Kevin Warsh hatte schon vorher davon
01:06:33: gesprochen, dass er die Notenbankbilanz
01:06:36: stärker mit dem Finanzministerium
01:06:38: absprechen möchte, also in welcher
01:06:41: Laufzeit man Anleihen kauft.
01:06:43: Er hat aber im Hearing sehr klar gemacht,
01:06:45: dass das keine Abhängigkeit der Notenbank
01:06:48: vom Weißen Haus oder dem
01:06:49: Finanzministerium ist, dass die Notenbank
01:06:51: weiterhin unabhängig entscheiden wird.
01:06:54: Das war ihm auch ein sehr wichtiger Punkt
01:06:56: und er hat darüber hinaus betont, dass er
01:06:59: kein großer Fan von diesen
01:07:01: außergewöhnlichen geldpolitischen
01:07:03: Maßnahmen ist, dass er doch eher, er hat
01:07:05: sich als eher klassischer Notenbanker
01:07:07: gezeigt, der die Notenbank nicht mit
01:07:10: anderen Zielen, Aufgaben belasten möchte,
01:07:13: sondern, der sich wirklich darauf
01:07:16: konzentriert, auf die beiden Ziele der
01:07:18: amerikanischen Notenbank, und das ist die
01:07:20: Geldwertstabilität und der Arbeitsmarkt.
01:07:23: Und insofern ist er dann drum herum
01:07:26: einiges gefragt worden, natürlich gerade
01:07:28: von demokratischen
01:07:30: Senatoren und Senatorinnen.
01:07:33: Ich gehe aber davon aus, da auch das
01:07:35: amerikanische Justizministerium, also
01:07:39: Department of Justice, die Klage gegen
01:07:41: Jerome Powell hat fallen lassen, was
01:07:44: einige republikanische Senatoren wiederum
01:07:47: als Voraussetzung gesehen haben, um eine
01:07:51: Nominierung von Kevin
01:07:53: Warsh auch zuzustimmen.
01:07:54: Also ich gehe ja unterm Strich davon aus,
01:07:56: dass er eine Mehrheit bekommen wird und
01:07:58: dass auch bis zum 15. Mai dann die
01:08:02: Amtszeit von Jerome Powell endet und
01:08:04: Kevin Walsch sein Amt antreten kann.
01:08:07: Wir haben ja jüngst Daten gesehen, dass
01:08:08: die US-Wirtschaft deutlich robuster
01:08:12: läuft, zumindest im Februar, noch
01:08:15: gelaufen ist, als
01:08:16: viele angenommen hatten.
01:08:17: Wenn wir jetzt auf Europa schauen und
01:08:19: dann eben auf die Europäische
01:08:20: Zentralbank, das sind da schon ganz
01:08:23: andere Herausforderungen.
01:08:24: Da geht es darum, die Inflation zu
01:08:25: bekämpfen und die Konjunktur müsste man
01:08:27: ja eigentlich eher stützen.
01:08:30: Wir haben ja auch neue Zahlen aus
01:08:32: Deutschland, da ist die
01:08:33: Wirtschaftsprognose oder Wachstumsprognose
01:08:35: ja mal sportlich halbiert
01:08:36: worden. Was ist da zu erwarten?
01:08:39: In Europa, aber auch in Asien sind die
01:08:41: Wachstumsprognosen zum Teil stärker
01:08:43: runtergenommen worden.
01:08:45: Was eben damit zusammenhängt, dass diese
01:08:47: Region deutlich stärker von
01:08:49: Öl- und Gasimporten abhängen.
01:08:52: In Europa ist es nicht so sehr die
01:08:55: direkte Abhängigkeit, sondern mehr der
01:08:56: Preis. In Asien ist es also auch die
01:08:58: direkte Abhängigkeit.
01:09:00: Und man sieht, dass Jessica in den
01:09:01: Stimmungsindikatoren der Wirtschaft, die
01:09:03: waren beim
01:09:04: verarbeitenden Gewerbe relativ gut.
01:09:06: Das liegt aber an den Lieferketten.
01:09:08: Normalerweise geht man davon aus, wenn
01:09:10: die Lieferketten länger dauern, also die
01:09:13: Lieferzeiten zunehmen,
01:09:15: dass dann eine besonders hohe Nachfrage
01:09:18: ist und es den Unternehmen eben gut geht.
01:09:21: In diesem Fall ist das aber anders herum,
01:09:23: denn es ist ein Angebotsschock.
01:09:26: Die Lieferketten verzögern sich deshalb
01:09:28: oder die Zeit ist so lange bis
01:09:30: Vorprodukte geliefert werden, weil eben
01:09:32: die Straße von Hormus gesperrt ist.
01:09:35: Deswegen oder nur eigentlich aus diesem
01:09:38: Grunde sind bei den Stimmungsindikatoren
01:09:41: der Wirtschaft tatsächlich das
01:09:43: verarbeitende Gewerbe
01:09:44: ist aus diesem Grunde besser ausgefallen
01:09:47: und die Services sind in Europa eben
01:09:50: ausgesprochen schlecht.
01:09:51: In Amerika etwas besser, was wie gesagt
01:09:52: vor dem Hintergrund, dass Amerika weniger
01:09:54: betroffen ist, nicht verwundert.
01:09:57: Wir sehen sehr deutlich, dass Asien und
01:10:00: Europa sehr viel stärker von der Sperrung
01:10:03: der Straße von Hormus und den dann nicht
01:10:05: mehr vorhandenen beziehungsweise extrem im
01:10:07: Preis gestiegenen Gütern betroffen ist,
01:10:12: leidet, während die Vereinigten Staaten
01:10:14: von Amerika ihr Öl und Gas selbst
01:10:17: produzieren in großer Menge und das, was
01:10:20: sie zukaufen müssen, dann aus Kanada beziehungsweise
01:10:23: Lateinamerika importieren.
01:10:25: Nun sind Konjunkturindikatoren das eine,
01:10:28: aber wir kriegen ja gerade auch harte
01:10:29: Zahlen geliefert und jede Menge
01:10:31: Ausblicke, die
01:10:32: Berichtssaison läuft auf Hochtouren.
01:10:35: Lass uns vielleicht erst die USA gucken
01:10:37: und danach schauen, wie es in Europa und
01:10:40: Deutschland aussieht.
01:10:41: Die USA liefern immer noch wunderbare
01:10:44: Zahlen, wie wir es ja schon vor 2-3
01:10:46: Wochen mal besprochen hatten, als es
01:10:48: gerade erst losging.
01:10:49: Ja, absolut. Die Zahlen haben sich in den
01:10:51: Vereinigten Staaten noch verbessert.
01:10:53: Wir sehen auch, dass die Revisionen
01:10:55: insgesamt weiterhin positiv sind, was
01:10:58: überwiegend am Öl- und Gassektor liegt.
01:11:01: Aber insgesamt zieht das den Markt nach
01:11:03: oben. Wir haben ja diese Woche die größte
01:11:05: Woche, wo über 180
01:11:07: Unternehmen werden ihre Bücher öffnen.
01:11:10: Vor allen Dingen die technologischen
01:11:12: Schwergewichte sind dabei, also auch
01:11:14: Magnificent Seven, einige Unternehmen.
01:11:17: Und da wird die Börse natürlich mit
01:11:19: Argus-Augen drauf gucken. Aber wie
01:11:21: gesagt, bisher sind die Gewinne
01:11:23: ausgesprochen gut reingekommen.
01:11:25: Wir sehen Gewinnsteigerungen von über
01:11:29: 15 Prozent. Die Unternehmen haben doch sehr
01:11:32: deutlich die Erwartungen übertroffen,
01:11:34: dass nicht nur bei den Gewinnen, sondern
01:11:35: auch bei den Umsätzen. Also da sieht es
01:11:38: fundamental bei den Unternehmen im Moment
01:11:41: noch sehr, sehr gut aus.
01:11:42: Aber wie sieht es mit den Ausblicken aus?
01:11:44: Sie äußern sich ja auch dazu, was sie für
01:11:46: den restlichen Jahresverlauf, den
01:11:47: weiteren Jahresverlauf erwarten.
01:11:50: Da könnte ich mir vorstellen, würde man
01:11:51: doch dann ein bisschen vorsichtiger eben
01:11:52: auch mit Blick auf den Iran-Konflikt.
01:11:55: Ja, aber da muss man dann tatsächlich in
01:11:56: die einzelnen Sektoren hinein gucken. Wir
01:11:59: erleben natürlich, dass Öl und Gas
01:12:01: weiterhin profitieren,
01:12:03: auch sehr hoffnungsfroh in die Zukunft
01:12:04: gucken. Wir sehen das
01:12:06: Gleiche auch bei IT-Hardware.
01:12:09: Denn wir sind ja in einem gewissen
01:12:11: Dilemma um die Künstliche
01:12:14: Intelligenz herum. Also es muss
01:12:15: eigentlich investiert werden.
01:12:17: Wer nicht investiert in IT-Hardware, in
01:12:21: Power Equipment, in Speicherung von
01:12:24: Energie, in Rechenzentren, in Chips, der
01:12:27: könnte sein Business verlieren.
01:12:30: Deswegen tun es alle und deswegen sind
01:12:32: natürlich auch die Unternehmen, die
01:12:34: Hardware-Komponenten
01:12:36: herstellen, bisher sehr optimistisch.
01:12:39: Und die Kurse sind ja auch gerade im
01:12:40: April sehr ordentlich gestiegen. Also das
01:12:44: sind zwei Sektoren, die sicherlich im
01:12:47: Moment sehr profitieren,
01:12:49: aus unterschiedlichen Gründen, aber sehr
01:12:51: gute Berichte vorlegen oder vorgelegt
01:12:53: haben, bisher und auch ganz
01:12:55: positiv in die Zukunft gucken.
01:12:57: Schauen wir noch auf Europa,
01:12:59: Schrägstrich Deutschland. Wir hinken ja
01:13:01: immer ein bisschen hinterher, was die
01:13:03: Berichtssaison angeht.
01:13:04: Aber auch hier dürfte sich ja
01:13:05: mittlerweile ein Bild abzeichnen, oder?
01:13:07: Auch in Europa nimmt die Berichtssaison
01:13:10: langsam Fahrt auf, aber sie steht eben
01:13:12: noch deutlich am Anfang, ist noch sehr
01:13:15: viel früher als in
01:13:16: den Vereinigten Staaten.
01:13:17: Deswegen würde ich da noch nicht zu viel
01:13:19: hinein interpretieren. Die Gewinne
01:13:20: steigen auch deutlich weniger als in den
01:13:23: Vereinigten Staaten.
01:13:24: Die Überraschungen, also die positiven
01:13:27: Überraschungen sind auch nennenswert,
01:13:31: aber noch mal, wir sind hier
01:13:32: sehr, sehr früh und Jessica,
01:13:34: da sollten wir tatsächlich dann noch mal
01:13:35: in zwei Wochen oder in vier Wochen drüber
01:13:38: sprechen. Im Moment ist die Situation
01:13:40: noch sehr, sehr früh.
01:13:43: Aber der Start ist sicherlich auch in
01:13:44: Europa gelungen, wenn nicht auf einem so
01:13:46: guten Niveau, wie das in den Vereinigten
01:13:48: Staaten der Fall gewesen ist.
01:13:50: Wenn ich mir jetzt diese ganze
01:13:51: Gemengelage anschaue, wir haben ja auch
01:13:53: Märkte auf Rekordhochs oder nahe
01:13:55: Rekordhochs, aber trotzdem
01:13:56: eben ein schwieriges Umfeld.
01:13:59: Prognosen für die Zukunft sind ja
01:14:00: bekanntlich immer schwierig. Ich würde
01:14:02: jetzt als Anlegerin meiner langfristigen
01:14:03: Strategie mit hoher
01:14:04: Risikostreuung immer stur treu bleiben.
01:14:07: Aber was ist denn mit dem Blick auf mein
01:14:08: Spielgelddepot, weil da juckt es mich
01:14:10: schon ein bisschen in
01:14:11: den Fingern: Glaubst du,
01:14:12: dass man in so einer Situation wie
01:14:14: aktuell mal ein bisschen auf
01:14:15: Schnäppchenjagd gehen könnte? Macht das
01:14:17: Sinn oder lieber „breit gestreut, nie
01:14:20: bereut“, nach dem Leitsatz investieren?
01:14:22: Ja, das hängt natürlich ein bisschen
01:14:23: davon ab, wie lang der Anlagehorizont ist
01:14:26: und ob man mögliche Volatilitäten, also
01:14:29: Schwankungen, noch aussetzen kann.
01:14:30: Wir wissen alle nicht, wann die Straße
01:14:32: von Hormus wieder geöffnet wird. Wir
01:14:35: sehen jeden Tag Berichte, die in die eine
01:14:37: oder andere Richtung gehen.
01:14:39: Mal will man miteinander sprechen, dann
01:14:41: wieder nicht. Also es gibt nicht wirklich
01:14:44: eine Lösung für diesen Konflikt momentan.
01:14:48: Ich weiß nicht, wann sie stattfinden wird
01:14:51: und davon hängt es
01:14:52: natürlich ein bisschen ab.
01:14:53: Mit jedem Tag, den die Straße von Hormus
01:14:55: gesperrt ist, werden die ökonomischen
01:14:57: Entwicklungen schwächer werden.
01:15:00: Aber wenn sie geöffnet werden sollte in
01:15:02: absehbarer Zeit, dann werden wir
01:15:04: sicherlich auch gerade bei zyklischen
01:15:06: Werten eine
01:15:07: entsprechende Relief-Rally sehen.
01:15:10: Also wir werden eine doch Erholung sehr
01:15:14: wahrscheinlich bei
01:15:15: zyklischen Werten sehen.
01:15:18: Und ja, ich glaube auch nicht, dass die
01:15:20: Straße von Hormus ewig
01:15:21: gesperrt bleiben wird.
01:15:23: Da wird ja die ganze Welt in Geiselhaft
01:15:25: genommen und nochmal,
01:15:27: deswegen ist es eine Frage von
01:15:29: Anlagehorizont, ob man jetzt schon
01:15:31: investieren möchte, oder
01:15:33: ob man noch etwas erwartet.
01:15:35: Wir glauben insgesamt, dass dieses Thema
01:15:37: Künstliche Intelligenz natürlich nicht
01:15:39: vorbei ist, sondern wir
01:15:40: ganz am Anfang stehen.
01:15:41: Und normal, ich werde da im Moment
01:15:43: weniger stark bei der
01:15:45: Software investiert.
01:15:46: Da wird über Disruption gesprochen. Wir
01:15:48: wissen nicht, wer und in welcher Weise
01:15:52: betroffen sein wird.
01:15:54: Ich würde mich eher engagieren bei IT-
01:15:57: Hardware, wie ich das
01:15:58: vorhin schon gesagt habe.
01:15:59: Also beispielsweise Chips, aber auch
01:16:01: Stromerzeugung,
01:16:04: Stromtransport, Stromspeicherung.
01:16:07: All das, was man um die Künstliche
01:16:08: Intelligenz herum unbedingt braucht.
01:16:11: Und da bieten sich natürlich dann Korea,
01:16:14: Taiwan, aber auch Europa und die
01:16:15: Vereinigten Staaten an.
01:16:17: Das wären so vor
01:16:18: allen Dingen die Bereiche.
01:16:19: Neben vielleicht dann, um etwas Risiko zu
01:16:22: balancieren, Versorger, aber auch
01:16:26: Gesundheitsunternehmen in den USA, die
01:16:29: ich mit dazu nehmen würde.
01:16:30: Ich glaube, wie gesagt, wenn man
01:16:32: Zykliker, wenn man auf Industrie und
01:16:34: Ähnliches setzt, dann kann
01:16:37: es eben noch zu früh sein.
01:16:38: Und dann kann man von den Volatilitäten
01:16:40: natürlich nochmal eingeholt werden.
01:16:42: Es bleibt auf jeden Fall
01:16:43: spannend und wir beide bleiben dran.
01:16:46: Vielen Dank für diese PERSPEKTIVEN To Go.
01:16:48: Sehr gerne.