PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast

PERSPEKTIVEN To Go – der Börsenpodcast

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01:00:00: Deutsche Bank

01:00:02: präsentiert: PERSPEKTIVEN To Go.

01:00:04: Ihr Audio-Podcast

01:00:06: rund um das Thema Börse.

01:00:08: In den USA wird gewählt.

01:00:11: Bei den US-Zwischenwahlen am 3. November

01:00:13: deutet sich ein

01:00:14: deutlicher Erfolg der Demokraten

01:00:16: an.

01:00:16: Was bedeutet das für die Märkte?

01:00:18: Und was passiert, wenn

01:00:19: es doch anders kommt?

01:00:21: Und wie läuft

01:00:21: überhaupt die Berichtssaison?

01:00:23: Darüber spreche ich mit Uli

01:00:24: Stephan von der Deutschen Bank.

01:00:26: Mein Name ist Jessica Schwarzer,

01:00:27: und herzlich willkommen

01:00:28: zu den PERSPEKTIVEN To Go.

01:00:31: Uli, warum sind die Midterm Elections so

01:00:33: wichtig für die USA?

01:00:34: Jessica, bei den Midterm Elections wird

01:00:36: das gesamte

01:00:37: Repräsentantenhaus neu gewählt.

01:00:40: 435 Mitglieder, 218

01:00:43: braucht man für die Mehrheit.

01:00:45: Und es werden 35 Senatoren gewählt.

01:00:49: 33 im normalen Zyklus, zwei extra beziehungsweise

01:00:53: Sonderwahlen für Florida und Ohio.

01:00:55: Also 35.

01:00:57: Und das ist natürlich

01:00:57: insgesamt schon eine große Zahl.

01:00:59: Und deswegen wird es mit großer

01:01:02: Aufmerksamkeit auch

01:01:03: entsprechend verfolgt werden.

01:01:05: Wir sehen, dass sich die Parteien, die

01:01:06: Demokraten und die Republikaner, doch

01:01:08: relativ unversöhnlich

01:01:10: gegenüberstehen.

01:01:11: Und inhaltlich geht es dann um Themen wie

01:01:14: die

01:01:14: Gesundheitspolitik, also wie man breitere

01:01:17: Bevölkerungsschichten am

01:01:19: Gesundheitssystem teilhaben lassen kann.

01:01:22: Es geht um den Hausmarkt,

01:01:24: also wie sich und ob sich Familien Häuser

01:01:27: noch leisten können.

01:01:29: Wir sehen ja auch, dass die

01:01:30: Zinsen hier gestiegen sind.

01:01:31: Es geht um Bildung, um Studentenkredite

01:01:33: und natürlich um die

01:01:34: Künstliche Intelligenz.

01:01:36: Inwieweit die gesamtstaatliche, also die

01:01:40: föderale Regierung

01:01:42: beeinflussen kann, dass Rechenzentren

01:01:46: gebaut werden

01:01:47: – wir sehen in einigen Bundesstaaten

01:01:48: Moratorien für solche Rechenzentren –,

01:01:52: da wird geprüft, inwieweit man regulieren

01:01:56: kann beziehungsweise unter welchen

01:01:58: Bedingungen dann Rechenzentren

01:01:59: noch gebaut werden.

01:02:01: Und da diese Rechenzentren und all das,

01:02:05: was um die Künstliche-

01:02:06: Intelligenz-Infrastruktur

01:02:08: im Moment passiert, natürlich der große

01:02:10: Wachstumstreiber für

01:02:11: die USA sind, ist das

01:02:13: Ganze doch politisch, aber natürlich auch

01:02:16: ökonomisch eine sehr entscheidende Frage.

01:02:18: Und ökonomisch,

01:02:19: damit sind wir bei den Finanzmärkten.

01:02:22: Die schauen natürlich

01:02:22: auch sehr genau hin.

01:02:24: Wie wichtig sind die Midterm Elections

01:02:26: für die künftige Börsenentwicklung?

01:02:28: Ja, das werden wir sehen.

01:02:29: Das hängt natürlich ein

01:02:30: Stück weit dann vom Ausgang ab.

01:02:32: Im Moment schätzt Polymarket mit 90-

01:02:35: prozentiger Wahrscheinlichkeit eine

01:02:37: Mehrheit der Demokraten

01:02:39: für das Repräsentantenhaus. Im Senat

01:02:41: ist es deutlich enger:

01:02:43: Hier schätzt man 60

01:02:45: Prozent für die Demokraten.

01:02:46: Mal gucken, ob es denn dann so kommt.

01:02:49: Also wie gesagt, da zeichnet

01:02:50: sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.

01:02:53: Und wir werden sehen, was dann passiert

01:02:56: und wie der

01:02:57: amerikanische Präsident weiterhin

01:02:58: regiert.

01:02:59: Er nutzt ja heute schon in großen Teilen

01:03:01: Dekrete, die dann von

01:03:03: Gerichten angefochten werden

01:03:04: können.

01:03:05: Das wird im Zweifelsfalle so weitergehen.

01:03:08: Zwei wichtige Punkte allerdings sind

01:03:09: natürlich der Haushalt,

01:03:11: dieser ist verschoben worden, hätte

01:03:13: eigentlich am 30.09.

01:03:14: verabschiedet sein müssen für

01:03:16: das Jahr 2026/27 und ist auf den 11.

01:03:21: Dezember verschoben worden.

01:03:22: Also nach den Midterms muss man sich in

01:03:24: irgendeiner Weise einigen

01:03:26: auf einen neuen Haushalt.

01:03:27: Und Mitte 2027 steht dann auch wieder die

01:03:30: berühmte Schuldenobergrenze an.

01:03:32: Das sind sicherlich Themen, wo beide

01:03:34: Parteien zusammenfinden müssen.

01:03:35: Und wir werden sehen, wie geräuschvoll

01:03:38: oder geräuschlos das

01:03:40: dann am Ende passieren wird.

01:03:41: Es hat auf jeden Fall das Potenzial, zu

01:03:44: Volatilitäten am Markt zu führen.

01:03:46: Es gibt ja jetzt natürlich in den ein,

01:03:48: zwei Wochen vor der

01:03:48: Wahl jede Menge Umfragen.

01:03:50: Du has eine auch schon zitiert.

01:03:51: Es gibt jede Menge

01:03:52: historische Vergleiche.

01:03:54: Und einer ist zum Beispiel, dass ein Sieg

01:03:57: der Oppositionspartei bei den Midterms

01:04:00: sich historisch gesehen immer sehr

01:04:02: positiv oder meistens sehr

01:04:04: positiv auf die Aktienmärkte

01:04:05: ausgewirkt hat.

01:04:07: Könnten die Midterms dann ein Booster für

01:04:09: die Aktienmärkte

01:04:10: sein, wenn die Demokraten

01:04:11: durchmarschieren? Oder ist

01:04:12: das diesmal nicht so einfach?

01:04:13: Also, es ist tatsächlich so, Jessica, dass

01:04:15: in den Midterms

01:04:16: typischerweise die Opposition

01:04:19: gewinnt.

01:04:20: Also fast ausschließlich. Ich glaube, es

01:04:22: gibt zwei Ausnahmen, in

01:04:23: denen das nicht passiert

01:04:24: ist, in den letzten 25, 30 Jahren.

01:04:27: Ansonsten immer die Opposition zugelegt.

01:04:30: Wie gesagt, das Repräsentantenhaus wird

01:04:32: wohl sehr

01:04:33: wahrscheinlich in demokratische Hand

01:04:35: gehen.

01:04:35: Sollte es einen Blauen Sweep geben, also

01:04:38: auch die Demokraten den

01:04:40: Senat gewinnen, dann wird

01:04:42: es sicherlich schwieriger für den

01:04:44: amtierenden Präsidenten,

01:04:46: entsprechende Gesetze natürlich

01:04:48: durch den Kongress durchzubekommen.

01:04:50: Man wird dann noch stärker

01:04:51: auf Dekrete zurückgreifen.

01:04:54: Nochmal: Die sind dann

01:04:54: von Gerichten angreifbar.

01:04:57: Aber es gibt eben ein paar Themen, vor

01:04:59: allen Dingen in der

01:05:00: Innenpolitik, in der Finanzpolitik,

01:05:03: da bedarf es der Zustimmung des

01:05:05: Kongresses und deswegen

01:05:07: wird man dann da entsprechende

01:05:09: Kompromisse finden müssen.

01:05:11: Typischerweise ist dieses dritte Jahr

01:05:13: einer Präsidentschaft

01:05:14: für Aktienmärkte ein gutes.

01:05:17: Und deswegen bin ich jetzt auch nicht zu

01:05:19: pessimistisch, denn die

01:05:20: Wachstumszahlen für die USA sind

01:05:23: im Moment recht ordentlich und werden

01:05:25: auch von den meisten

01:05:27: Volkswirten für das Jahr

01:05:28: 2027 als robust angesehen.

01:05:32: Deswegen würde ich annehmen, dass ein

01:05:35: Kompromiss in einigen

01:05:38: politischen Themen sicherlich nicht

01:05:40: zum Schaden der

01:05:41: US-Volkswirtschaft sein sollte.

01:05:42: Zum Thema drittes Aktienjahr habe ich

01:05:44: auch noch eine schöne Statistik gefunden.

01:05:46: Seit 1950 lag der durchschnittliche

01:05:48: Ertrag amerikanischer

01:05:49: Aktien in den zwölf Monaten

01:05:51: nach einer Zwischenwahl bei 15,4 Prozent.

01:05:54: Und das ist ja fast das Doppelte von dem,

01:05:56: was wir normalerweise

01:05:58: historisch an durchschnittlichen

01:05:59: Jahresrenditen sehen.

01:06:00: Das wäre ja ganz nett, wenn das so

01:06:02: weitergeht in den nächsten Monaten, oder?

01:06:04: Ja, absolut.

01:06:05: Die Schätzungen der Analysten Richtung

01:06:07: Gewinne für die USA deuten

01:06:08: auch in eine solche Richtung.

01:06:11: Also, auch hier sind wir bei gut 15

01:06:13: Prozent für das Jahr 2027.

01:06:17: Sollte sich das bewahrheiten, bräuchten

01:06:20: wir also gar keine große

01:06:21: Ausweitung der Bewertungen,

01:06:24: sondern allein die Gewinne könnten schon

01:06:27: zu recht ordentlichen

01:06:29: Kursgewinnen führen, wenn

01:06:30: denn dann die Kurse diese

01:06:31: Gewinnssituation nachbilden.

01:06:34: Das sehen wir in diesem Jahr nicht.

01:06:36: Hier steigen ja die

01:06:37: Gewinne stärker als die Kurse.

01:06:39: Somit gehen die

01:06:40: Bewertungen ein Stück weit zurück.

01:06:42: Und damit steht und fällt diese ganze

01:06:44: Entwicklung natürlich sehr stark mit den

01:06:47: Unternehmensgewinnen.

01:06:48: Und dann sind wir wieder bei der

01:06:49: Künstlichen Intelligenz und den

01:06:50: Gewinnerwartungen, die

01:06:52: mit diesen Unternehmen verbunden sind.

01:06:54: Damit sind wir dann auch schon bei der

01:06:56: Berichtssaison, die läuft auf Hochtouren.

01:06:58: Wie fällt denn dein Zwischenfazit bisher

01:07:01: aus oder das Zwischenfazit der klugen

01:07:05: Rechner und Datenbanken?

01:07:06: Ja, im Konsens sehen wir wirklich, also

01:07:10: gegen den Konsens, eine

01:07:11: sehr, sehr gute Berichtssaison.

01:07:13: Die Gewinne der Unternehmen legen in den

01:07:17: Vereinigten Staaten von Amerika blended,

01:07:19: also wenn man die, die noch berichten, so

01:07:22: einrechnet, als würden sie wie erwartet

01:07:25: dann auch Ergebnisse vorlegen,

01:07:27: liegen wir bei über 32 Prozent.

01:07:30: Die Unternehmen haben bisher die

01:07:32: Erwartungen um fast 7

01:07:33: Prozent übertroffen.

01:07:36: Wir sehen bei den Gewinnen: 83 Prozent

01:07:39: sind über Erwartungen,

01:07:41: bei den Umsätzen sind es 62 Prozent.

01:07:45: Also, ich würde sagen, unter dem Strich

01:07:47: bisher eine sehr,

01:07:48: sehr gute Berichtssaison,

01:07:49: die auch die hohen Erwartungen nicht nur

01:07:51: erfüllt, sondern sogar übertrifft.

01:07:54: Die Analysten revidieren die

01:07:56: Gewinnerwartungen für das vierte Quartal,

01:07:59: aber auch für das Jahr

01:07:59: 2027 weiter nach oben.

01:08:03: Und insofern ist die Börse da im Moment

01:08:06: etwas zurückhaltender, etwas skeptischer,

01:08:09: als es die harten Zahlen aus der

01:08:11: Berichtssaison und den

01:08:12: Analystenschätzungen

01:08:14: wirklich darlegen würden.

01:08:16: Das ist ja auch manchmal

01:08:17: vielleicht auch ganz gesund, oder?

01:08:19: Wenn man nicht immer so

01:08:20: vorwegrennt an den Märkten.

01:08:22: Ja, absolut. Also, wie gesagt, die

01:08:23: Bewertungen sind sogar gefallen.

01:08:25: Wir sind mittlerweile beim NASDAQ bei in

01:08:28: etwa 20,5 Mal der Gewinne.

01:08:32: Also das P/E oder im deutschen

01:08:34: würde man Kurs-Gewinn-Verhältnis

01:08:35: sagen, liegt bei 20,5.

01:08:37: Das ist nur noch gut

01:08:38: anderthalb Punkte vom S&P 500 weg.

01:08:42: Also, wenn man es etwas flapsig

01:08:43: formulieren würde, würde man sagen,

01:08:45: man kriegt die starken

01:08:47: Wachstumsmärkte oder Unternehmen zum

01:08:50: Marktpreis oder annähernd zum Marktpreis.

01:08:54: Also, das liegt eben einfach daran, dass

01:08:55: die Gewinne sehr viel stärker steigen und

01:08:58: die Anleger skeptisch sind,

01:09:00: ob das so bleibt und deswegen bei den

01:09:03: Kursen etwas zurückhaltender reagieren.

01:09:06: Und es schauen natürlich immer alle auf

01:09:07: die Hyperscaler, auf die großen

01:09:09: Tech-Konzerne – KI ist

01:09:10: und bleibt das große Thema an den

01:09:12: Märkten. Gibt es da auch schon erste

01:09:15: Zahlen und wie sind die ausgefallen?

01:09:17: Und das ist ja auch im Wahlkampf ein

01:09:18: Thema. Du hast die

01:09:19: Rechenzentren ja auch schon angesprochen.

01:09:21: Ja, absolut. Es gibt wie gesagt ein paar

01:09:23: Moratorien in verschiedenen

01:09:25: Bundesstaaten, allen voran Florida,

01:09:29: Texas, aber auch New York,

01:09:31: wo Rechenzentren zuerst mal gestoppt

01:09:34: worden sind beziehungsweise im

01:09:35: Moment nicht gebaut werden.

01:09:36: Wir reden aber, wenn man sich die Planung

01:09:38: für 2027 anguckt, von 2,3 Gigawatt,

01:09:44: wohingegen die Gesamtplanung bei 38

01:09:47: Gigawatt Rechenleistung liegt, also es

01:09:50: ist ein überschaubarer Bereich momentan.

01:09:53: Es heißt auch nicht, dass die

01:09:54: grundsätzlich gestoppt werden, sondern

01:09:56: man will jetzt gucken,

01:09:57: unter welchen Bedingungen denn dann in

01:09:59: Zukunft Rechenzentren gebaut werden.

01:10:02: Wir sehen ja auch die hohen

01:10:03: Inflationszahlen in den USA und

01:10:05: Strompreise, die dann von Rechenzentren

01:10:07: nochmal nach oben getrieben werden,

01:10:10: sind natürlich ein Bestandteil des

01:10:13: Warenkorbes und könnten

01:10:14: die Inflation weiter treiben.

01:10:17: So, um auf deine Frage zurückzukommen:

01:10:19: Alles, was mit KI zu tun hat, hat im

01:10:22: Schnitt bisher auch sehr gut berichtet.

01:10:25: Das sehen wir nicht nur in den

01:10:27: Vereinigten Staaten, sondern auch in

01:10:28: Asien, wo ja die großen

01:10:30: Chiphersteller herkommen.

01:10:32: Wir sehen es in Europa, wo die

01:10:33: Chipmaschinen herkommen, überall die

01:10:36: Berichte, die die

01:10:37: Erwartungen übertroffen haben.

01:10:38: Und der Ausblick, der sogar angehoben

01:10:41: worden ist; einige

01:10:42: Unternehmen haben gesagt,

01:10:45: dass sie Kapazitätsauslastung bis

01:10:47: mindestens 2028, einige bis 2030 sehen.

01:10:53: Also auch hier gibt es wenig Haare,

01:10:55: sozusagen, in der Suppe

01:10:57: zu suchen oder zu finden.

01:10:59: Nichtsdestotrotz: Die

01:11:00: Anleger quittieren das nicht.

01:11:02: Sie sagen, die Investitionen

01:11:03: sind einfach unglaublich hoch.

01:11:05: Wird sich das alles rechnen? Werden die

01:11:07: Unternehmen in ausreichender Form

01:11:10: adoptieren? Und werden dann die

01:11:12: Investitionen eben so weitergehen?

01:11:15: Das ist eine Frage von

01:11:16: Produktivitätsfortschritten, die wir in

01:11:18: der Volkswirtschaft

01:11:19: tatsächlich nicht sehen momentan.

01:11:22: Das liegt aber aus meiner Sicht daran,

01:11:24: dass es einfach etwas braucht, bis

01:11:26: wirklich auch in der Breite die

01:11:28: Unternehmen adoptiert haben,

01:11:30: bis sie

01:11:31: die Prozesse umgestellt haben.

01:11:33: Man sieht es bei einzelnen Unternehmen.

01:11:35: Es gibt auch einige Indikatoren.

01:11:37: Wir hatten, glaube ich, schon einmal über

01:11:38: den Bundesbankbericht aus dem Juni diesen

01:11:40: Jahres gesprochen, was die

01:11:41: Arbeitsproduktivität angeht.

01:11:44: Aber in der Breite ist

01:11:45: es eben noch zu früh.

01:11:47: Da möchte ich aber auch daran erinnern,

01:11:49: dass das Thema agentische Künstliche

01:11:52: Intelligenz erst in diesem Jahr wirklich

01:11:54: Fahrt aufgenommen hat.

01:11:56: Und wir sicherlich auch bei physischer

01:11:58: Künstlicher Intelligenz

01:11:59: noch ganz am Anfang stehen.

01:12:01: Also, das erschreckt mich jetzt noch

01:12:02: nicht, sondern ich glaube, dass Philippe

01:12:05: Aghion hier Recht hat.

01:12:07: Man kann nicht einfach wie Daron Acemoğlu

01:12:10: Tätigkeiten zählen, die automatisiert

01:12:13: werden können und dann sagen,

01:12:15: na ja, gut, ganz ohne Menschen wird das

01:12:17: wenigste davon funktionieren, sondern

01:12:20: Philippe Aghion, der sagt über die

01:12:22: Künstliche Intelligenz,

01:12:23: wenn sich eben ganze Prozesse, ganze

01:12:25: Geschäftsmodelle komplett verändern.

01:12:27: Wir werden andere Forschung und

01:12:28: Entwicklung haben und daher kommen dann

01:12:29: die Produktivitätsfortschritte. Nochmal,

01:12:33: da haben wir einen gewissen

01:12:34: Hockeystick-Effekt.

01:12:36: Es braucht einfach Zeit, bis diese

01:12:37: Prozesse wirklich aufgesetzt und

01:12:39: umgesetzt sind und wir dann die

01:12:41: Produktivitätsfortschritte sehen.

01:12:43: Ich glaube aber, letzter Satz, Jessica,

01:12:45: lange Antwort, dass wir hier wirklich in

01:12:48: einer industriellen Revolution stecken,

01:12:51: wie man sie wahrscheinlich nur einmal in

01:12:54: seiner Lebenszeit erleben wird.

01:12:57: Es wird wirklich die Welt verändern und

01:13:00: bin da sehr optimistisch, was Künstliche

01:13:02: Intelligenz und die zukünftigen

01:13:04: Produktivitätsfortschritte angeht.

01:13:06: Eine lange Antwort, aber auch eine sehr

01:13:08: spannende und vor allen Dingen eine sehr

01:13:09: optimistische. Und du hast zwei sehr

01:13:10: prominenten Namen

01:13:11: genannt in deiner Antwort,

01:13:12: würdest du gerade noch schnell sagen,

01:13:14: wer die Herren genau sind, für

01:13:15: diejenigen, die es nicht wissen?

01:13:16: Es sind beides Nobelpreisträger. Der

01:13:19: eine am Massachusetts

01:13:20: Institute of Technology,

01:13:22: das ist Daron Acemoğlu, der, wie gesagt,

01:13:25: bei Künstlichen

01:13:25: Intelligenzen sehr skeptisch ist,

01:13:27: weil er Tätigkeiten gezählt hat, die man

01:13:30: vollständig automatisieren

01:13:32: könnte, ohne menschliches Zutun

01:13:35: und damit Produktivitätsfortschritte auf

01:13:37: einer Makroebene erzielen kann.

01:13:39: Das halte ich für zu statisch.

01:13:41: Ich bin da eher bei Philippe Aghion, einem

01:13:44: Franzosen, auch Nobelpreisträger,

01:13:47: der, wie gesagt, sehr viel dynamischer auf

01:13:50: diese Fragestellung zugeht, der sich oder

01:13:53: der über Schumpeters

01:13:55: konstruktive Zerstörung spricht

01:13:58: und sagt, da werden sich eben Prozesse,

01:14:00: Geschäftsmodelle ändern, da wird sich

01:14:02: Forschung und Entwicklung deutlich anders

01:14:05: und besser darstellen.

01:14:06: Auch das sieht man ja schon in

01:14:08: verschiedenen Bereichen und insofern

01:14:11: glaube ich, Philippe Aghion hat Recht,

01:14:14: und die Produktivitätsfortschritte werden

01:14:16: größer sein, als das eben Daron Acemoğlu

01:14:19: vom MIT momentan schätzt.

01:14:21: Also, auf jeden Fall immer noch ein super

01:14:23: spannendes Thema, die KI, aber es gibt ja

01:14:25: auch so ein paar

01:14:25: langweilige Brot- und Butterbranchen.

01:14:27: Wie läuft es denn bei denen so in der

01:14:29: Berichtssaison – Versorger,

01:14:30: Lebensmittel, Konsum überhaupt?

01:14:33: Gibt es da auch schon

01:14:33: Zahlen und Tendenzen?

01:14:35: Man muss sagen, wir haben ja im Moment

01:14:36: tatsächlich die Sorge um Staatsfinanzen

01:14:40: mit stark gestiegenen,

01:14:42: sind jetzt zuletzt ein bisschen wieder

01:14:44: zurückgekommen, weil es einen gerade zu

01:14:46: Sell-off gab, also

01:14:47: Risiko wurde herausgenommen,

01:14:49: dann sind

01:14:49: Staatsanleihen wieder gekauft worden.

01:14:51: Davor haben wir aber doch einen Anstieg

01:14:53: gesehen, der Zinsen, das lastet natürlich

01:14:56: auf der Wirtschaft insgesamt.

01:14:58: Wir sehen, dass vor allen Dingen die Öl-

01:15:00: und Gasmärkte nach wie vor nicht in einem

01:15:03: wirklichen Gleichgewicht sind,

01:15:04: weil wir immer noch keine Lösung an der

01:15:06: Straße von Hormus haben.

01:15:08: Und es gibt eben diese Zweifel über die

01:15:10: Nachhaltigkeit der Investitionen in die

01:15:12: Künstliche Intelligenz.

01:15:13: Und vor dem Hintergrund haben zuletzt

01:15:14: tatsächlich eher defensive

01:15:16: Sektoren besser performt.

01:15:19: Ich hatte ja schon angesprochen, haben

01:15:20: die Marktteilnehmer auch wieder stärker

01:15:23: in Staatsanleihen investiert.

01:15:26: Und deswegen lohnt sich hier sicherlich

01:15:28: ein Blick auch auf

01:15:29: andere Sektoren insgesamt.

01:15:31: Wir sehen, dass insgesamt von der

01:15:34: Berichtssaison natürlich die

01:15:36: Energie ganz weit vorne liegt,

01:15:38: mit den hohen Energiepreisen, dahinter

01:15:40: kommt aber dann schon direkt die

01:15:41: Technologie, die Communication Services.

01:15:44: Am unteren Rand

01:15:45: Gesundheit, Pharma, Healthcare.

01:15:47: Bei den Überraschungen ist es auch

01:15:49: Communication Services.

01:15:50: Dahinter verbirgt sich, um das nochmal zu

01:15:52: sagen, die Internetkonzerne,

01:15:54: Streaming-Dienste und so weiter und so

01:15:56: fort, auch die Energie.

01:15:57: Hier haben allerdings

01:15:58: Gesundheitsunternehmen besser geliefert,

01:16:01: als das erwartet worden war.

01:16:04: Und insofern lohnt sich sicherlich auch,

01:16:07: etwas breiter zu investieren, nicht nur

01:16:09: in die Künstliche Intelligenz.

01:16:11: Nochmal: Da gibt es eben tatsächlich

01:16:13: Diskussionen, die auch zuletzt zu einer

01:16:15: deutlichen Korrektur geführt haben,

01:16:17: sondern auch einen Blick zu werfen auf

01:16:20: Industrie, auf

01:16:22: Finanzwerte, auf die Gesundheit,

01:16:24: die in einem Umfeld, wo in Infrastruktur

01:16:27: investiert wird, sicherlich auch eine

01:16:30: alternde Gesellschaft, sicherlich auch

01:16:32: entsprechende Chancen haben.

01:16:33: Es bleibt auf jeden Fall spannend. Wir

01:16:35: warten auch mit Spannung auf den Ausgang

01:16:38: der US-Zwischenwahlen

01:16:40: und schauen weiter,

01:16:42: natürlich, auf die Berichtssaison.

01:16:43: Und ich glaube, nächste Woche sollten wir

01:16:44: uns auch noch mal das Thema hohe Renditen

01:16:46: beziehungsweise hohe Zinsen anschauen und ihre

01:16:48: Auswirkungen auf andere Anlageklassen.

01:16:50: Das besprechen wir dann detailliert,

01:16:52: nicht mehr heute. Danke dir für diese

01:16:54: PERSPEKTIVEN To Go.

Über diesen Podcast

Jede Woche sprechen Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, und Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, was die Märkte bewegt – und was das für Anleger bedeutet. Schnell, pragmatisch und auf den Punkt. Und wem die wöchentliche Dosis Börsenwissen nicht genügt, dem sei Stephans täglicher Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“ empfohlen. Mehr dazu auf deutsche-bank.de/pam

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