01:00:00: Deutsche Bank
01:00:02: präsentiert: PERSPEKTIVEN To Go.
01:00:04: Ihr Audio-Podcast
01:00:06: rund um das Thema Börse.
01:00:08: Das veränderte Zinsumfeld hat Folgen –
01:00:11: nicht nur an den Finanzmärkten.
01:00:13: Aktuell steigen die Zinsen.
01:00:15: Weitere Zinsschritte der
01:00:16: Notenbanken werden wohl folgen.
01:00:18: Eine gute Nachricht für Sparer, aber eine
01:00:20: schlechte für all jene,
01:00:21: die sich Geld leihen.
01:00:22: Was das veränderte Zinsumfeld für
01:00:24: Verbraucher, Immobilienkäufer,
01:00:26: Investoren, Sparer und
01:00:27: natürlich auch Unternehmen bedeutet,
01:00:30: das beantwortet mir Uli
01:00:31: Stephan von der Deutschen Bank.
01:00:33: Mein Name ist Jessica Schwarzer,
01:00:34: und damit herzlich
01:00:34: willkommen zu den PERSPEKTIVEN To Go.
01:00:37: Uli, die Zinsen und auch die Renditen an
01:00:39: den Anleihemärkten steigen seit Monaten.
01:00:41: Ist das ein gutes oder
01:00:42: ein schlechtes Zeichen?
01:00:43: Ich würde es als Zeichen der
01:00:45: Unsicherheit interpretieren.
01:00:47: Wir haben eben Fragen um die
01:00:49: Inflationserwartungen, die sich sehr stark
01:00:51: auch mit den Energiepreisen koppeln.
01:00:54: Wir haben Diskussionen um die Künstliche
01:00:56: Intelligenz, wie
01:00:57: nachhaltig sie denn wirklich ist;
01:00:59: also der Ausbau erfordert riesige
01:01:01: Investitionen, die auch zum Teil über
01:01:04: Fremdkapital bezahlt werden.
01:01:07: Dazu muss man eben an den Kapitalmarkt
01:01:10: gehen und verdrängt, beziehungsweise
01:01:12: zieht den Zins hoch, auch für andere.
01:01:15: Und das dritte große Thema sind
01:01:17: sicherlich die Staatsschulden, die hier
01:01:19: auf der Agenda stehen
01:01:21: und vom Markt diskutiert werden, in
01:01:23: manchen Ländern mehr als in anderen.
01:01:25: Aber die Frage ist eben, wie
01:01:27: gehen die Staaten damit um?
01:01:28: Und das alles hat dann dazu geführt, dass
01:01:30: der Zins insgesamt gestiegen ist.
01:01:33: Wir haben zuletzt ein bisschen eine
01:01:35: Gegenreaktion auch gesehen, weil das
01:01:37: Risiko aus den
01:01:39: Kapitalmärkten genommen worden ist,
01:01:41: weil eben Investoren offensichtlich von
01:01:44: Aktien ein Stück weit in den Rentenmarkt
01:01:47: umgeschichtet haben.
01:01:49: Das sind sozusagen die beiden Pole, die
01:01:51: da gegeneinander laufen und für relativ
01:01:54: viel Unsicherheit am Rentenmarkt sorgen.
01:01:57: Der Rentenmarkt ist das eine,
01:01:59: aber das Ganze hat natürlich auch ganz
01:02:01: praktische Auswirkungen für jeden
01:02:03: einzelnen Verbraucher, Menschen, Sparer.
01:02:07: Und ich würde sagen, wir gehen einfach
01:02:08: mal so ein paar Beispiele durch.
01:02:10: Wir können ja mal mit dem
01:02:11: Immobilienmarkt beginnen.
01:02:12: Die Baufinanzierung ist in den
01:02:14: vergangenen Monaten ja
01:02:15: deutlich teurer geworden.
01:02:16: Das macht es nicht einfacher für die
01:02:18: Menschen, sich an
01:02:19: Eigenheim zu leisten, oder?
01:02:20: Ja, keine Frage.
01:02:21: Die Finanzierungskosten steigen, nicht nur
01:02:23: für Eigenheime,
01:02:24: sondern auch für Unternehmen.
01:02:25: Und insofern wird es teurer, sich eine
01:02:28: Immobilie zu kaufen.
01:02:30: Man muss allerdings sagen, dass der
01:02:32: Bestand an Immobilien auch durch den
01:02:35: höheren Zins im Preis fällt,
01:02:37: weil natürlich die zukünftigen
01:02:39: Mieteinnahmen über einen Zins auf den
01:02:41: heutigen Tag abdiskontiert werden,
01:02:43: um einen Ertragswert
01:02:44: dieser Immobilie zu errechnen.
01:02:47: Und je höher der Zins ist, desto
01:02:48: niedriger ist der
01:02:49: Ertragswert zum heutigen Zeitpunkt.
01:02:52: Also es ist wahrscheinlich so, dass die
01:02:54: Kreditzinsen zuerst mal steigen und dann
01:02:56: in der Folge die
01:02:58: Immobilienpreise reagieren.
01:03:00: Aber es steht zu erwarten, dass der ein
01:03:03: oder andere Entwickler möglicherweise
01:03:06: hier ein Thema hat oder aber
01:03:08: die eine oder andere Immobilie
01:03:10: – und da kommt es natürlich immer auf Lage,
01:03:12: Lage, Lage an, wissen wir – im Preis ein
01:03:14: bisschen nachgeben wird
01:03:16: aufgrund der gestiegenen Zinsen.
01:03:18: Das liest man auch mittlerweile schon.
01:03:20: Es gab jetzt gerade eine
01:03:20: Wirtschaftswoche auch einen Artikel,
01:03:22: dass immer mehr Verkäufer mit ihren
01:03:23: Preisen runtergehen,
01:03:24: runtergehen müssen, weil sie eben sonst
01:03:26: keinen Käufer finden.
01:03:29: Wie schlimm kann das noch werden?
01:03:31: Kann sich da eine neue Krise am
01:03:32: Immobilienmarkt zusammenbrauen oder ist
01:03:34: das ein bisschen übertrieben?
01:03:35: Also das würde ich jetzt
01:03:36: für übertrieben halten.
01:03:37: Es ist eben wirklich so, dass die Preise
01:03:40: ein Stück weit zurückkommen können, dass
01:03:42: aber auch die Finanzierungskosten auf der
01:03:44: anderen Seite steigen.
01:03:45: Und das Problem haben dann natürlich
01:03:47: insbesondere Familien, die ein Haus
01:03:50: suchen, die vielleicht stadtnah wohnen
01:03:54: wollen, wo die Preise eben
01:03:55: dann nicht so runterkommen.
01:03:57: Und insofern ist das schon ein Thema, was
01:04:00: wir ja auch heiß diskutieren, nicht nur
01:04:02: in Deutschland, sondern
01:04:03: auch in anderen Ländern.
01:04:06: Wo gibt es Wohnraum, wie gibt es Wohnraum
01:04:08: und zu welchen Preisen
01:04:10: gibt es den vor allen Dingen?
01:04:12: Also ein Thema, was die Menschen
01:04:13: beschäftigt und wie gesagt der steigende
01:04:15: Zins hilft da nicht wirklich.
01:04:17: Nun hilft es aber natürlich, wenn ich ein
01:04:18: bisschen mehr Eigenkapital habe, weil ich
01:04:21: dann im Zweifel auch den
01:04:22: besseren Zinssatz bekomme.
01:04:23: Weil es gibt ja bei den Banken nicht
01:04:25: immer nur den einen Baufinanzierungszinssatz,
01:04:27: sondern es hat ja auch noch was mit mir
01:04:29: als Person, als Kunde zu tun.
01:04:31: Also quasi mit meiner Bonität et cetera.
01:04:34: Ja, absolut, es hat was mit deiner Bonität
01:04:36: zu tun, es hat was mit dem
01:04:38: Eigenkapitalanteil, den du mitbringst zu
01:04:41: tun, es hat was mit den Laufzeiten zu
01:04:43: tun, die du wählen möchtest.
01:04:46: Also insofern gibt es da natürlich ein
01:04:48: paar verschiedene Komponenten in dieser
01:04:51: Fragestellung der
01:04:52: Finanzierung einer Immobilie.
01:04:54: Aber unter dem Strich ist es sicherlich
01:04:56: in den letzten Monaten teurer geworden,
01:04:58: und nochmal das spüren dann eben
01:05:00: insbesondere Familien, Menschen, die kein
01:05:04: so hohes Einkommen haben und für die dann
01:05:07: der Erwerb einer Wohnung oder eines
01:05:09: Hauses eben doch
01:05:10: entschieden teurer geworden ist.
01:05:11: Das Thema Laufzeiten
01:05:12: ist auch sehr spannend.
01:05:13: Man zahlt ja in der Regel für den länger
01:05:15: laufenden Kredit mehr als
01:05:16: für den kürzer laufenden.
01:05:17: Das Spiel kennen wir auch
01:05:18: von den Anleihemärkten.
01:05:19: Da müssen Unternehmen und Staaten ja auch
01:05:21: mehr Koupon bieten, mehr Zinskoupon für
01:05:24: die länger laufenden.
01:05:25: Würdest du im Augenblick als Haus- oder
01:05:28: Wohnungskäufer eher den 10- oder eher den
01:05:31: 20-Jährigen Kredit wählen?
01:05:34: Wie ist da deine Zinsprognose?
01:05:36: Oder ist das auch total schwierig?
01:05:38: Ja, das hängt natürlich ein Stück weit
01:05:39: auch dann von den Tilgungen ab, die man
01:05:42: leisten möchte oder leisten kann.
01:05:44: Es hängt davon ab, wie wir insgesamt die
01:05:47: Zinsentwicklung denn
01:05:48: prognostizieren über die nächsten Jahre.
01:05:51: Und da sind 10 oder 20 Jahre ein sehr
01:05:54: sehr langer Zeitraum.
01:05:55: Also bin ich nicht sicher, ob man
01:05:57: das wirklich seriös machen kann.
01:05:59: Wir können aufgrund der Inflation,
01:06:02: Inflationserwartungen, auch der
01:06:04: am Terminmarkt gepreisten
01:06:07: Zinsen versuchen, abzuschätzen,
01:06:10: wie denn die
01:06:10: Notenbanken reagieren können,
01:06:13: vielleicht in den nächsten 12 bis 18
01:06:15: Monaten, ähnliches gilt auch
01:06:16: für die lang laufenden Zinsen,
01:06:19: also insgesamt die sogenannte
01:06:20: Zinsstrukturkurve von kurzen Laufzeiten
01:06:23: bis langen Laufzeiten.
01:06:25: Aber 10 oder 20 Jahre ist natürlich schon
01:06:27: ein sehr langer Zeitraum,
01:06:28: in dem viel passieren kann.
01:06:30: Und insofern würde ich da gerade als
01:06:32: Hauskäufer mir eher die
01:06:35: Sicherheitsfrage stellen,
01:06:37: als zu spekulieren, ob die Zinsen in die
01:06:39: eine oder andere Richtung gehen können.
01:06:41: Also das ist auf jeden Fall ein Thema für
01:06:42: eine intensive Beratung.
01:06:44: Ein anderes Thema, ein bisschen einfacher
01:06:47: sicherlich, ist der
01:06:48: ganz schnöde Ratenkredit.
01:06:50: Der ist natürlich auch
01:06:51: teurer geworden für meinen Konsum.
01:06:53: Der Konsumentenkredit,
01:06:54: nennt man ihn ja auch gerne.
01:06:55: Ja, keine Frage. Also alle Kredite werden
01:06:57: das ja vorhin schon gesagt.
01:06:58: Die Finanzierungskosten
01:06:59: insgesamt sind gestiegen.
01:07:01: Und dazu gehören sicherlich auch die
01:07:02: Konsumentenkredite, das
01:07:03: Zinsniveau insgesamt steigt.
01:07:06: Wir sehen am kurzen Ende, dass also bei
01:07:08: den zweijährigen Anleihen,
01:07:10: die sich sehr viel stärker an den
01:07:12: Notenbanken beziehungsweise Notenbankerwartungen,
01:07:15: was also die Notenbanken am
01:07:16: Zinsunternehmen könnten, orientieren,
01:07:19: dass diese zweijährigen
01:07:20: Zinsen schon gestiegen sind.
01:07:22: Es ist also nicht nur das lange Ende, was
01:07:24: sich hier bewegt, sondern
01:07:25: auch die kürzeren Zinsen.
01:07:28: Und insofern sind hier schon einige
01:07:29: Erwartungen, auch Richtung Notenbanken, am
01:07:32: Markt verarbeitet worden.
01:07:34: Und dann ist auch die
01:07:35: Autofinanzierung das gleiche Thema.
01:07:37: Also mich hat es selber vor ein paar
01:07:38: Jahren beim Leasing getroffen:
01:07:39: Das gleiche Auto mit mehr oder weniger
01:07:41: dem gleichen Listenpreis,
01:07:42: von einem Leasingvertrag
01:07:43: zum anderen 80 Euro teurer.
01:07:45: Das war einfach nur der Zinssatz.
01:07:47: Mittlerweile ist es noch mal
01:07:47: ein bisschen teurer geworden.
01:07:49: Das trifft aber ja auch Unternehmen, die
01:07:51: einen großen Fuhrpark teilweise haben.
01:07:54: Die Belastungen kommen schon
01:07:55: von allen Seiten dann, oder?
01:07:56: Nicht nur von der Finanzierung des
01:07:57: Unternehmens im Sinne von Anleihen,
01:07:59: sondern eben auch bei so
01:08:00: Dingen wie dem Fuhrpark, oder?
01:08:02: Ja, die Kosten steigen ja insgesamt,
01:08:04: sonst hätten wir ja keine Inflation.
01:08:05: Es ist natürlich so, dass, ja, auch gerade
01:08:09: durch die Energiepreise
01:08:11: sicherlich sehr, sehr
01:08:12: viele Vorgüter getroffen sind.
01:08:15: Wir sehen aber auch bei den
01:08:16: Nahrungsmitteln einen
01:08:18: entsprechenden Anstieg.
01:08:20: Also wir sehen schon auf relativ breiter
01:08:22: Front mittlerweile wieder,
01:08:24: dass die Preise steigen und deswegen sind
01:08:27: sowohl Konsumenten wie auch Unternehmen
01:08:29: sicherlich nicht nur über die
01:08:30: Finanzierungskosten betroffen,
01:08:32: sondern auch über andere Komponenten.
01:08:35: Und, ja, dan ist die Frage: Steigen die
01:08:37: Reallöhne entsprechend mit.
01:08:39: Das haben sie direkt bei Corona nicht
01:08:42: getan, haben danach ein
01:08:43: Stück weit wieder aufgeholt.
01:08:45: Im Moment ist es so, dass wir
01:08:47: die ersten Forderungen sehen
01:08:50: nach höheren Lohnsteigerungen, aber in
01:08:52: der Breite diese noch nicht
01:08:53: abgeschlossen worden sind.
01:08:55: Frau Lagarde hatte darauf hingewiesen,
01:08:57: dass es noch keine Zweit- und
01:08:59: Drittrundeneffekte gibt.
01:09:02: Und das spüren die Leute im Portemonnaie
01:09:04: und sind dann natürlich unzufrieden.
01:09:06: Also, das Leben wird teurer, die Löhne
01:09:08: passen sich nur schleppend an.
01:09:11: Und insofern herrscht eine Unzufriedenheit,
01:09:13: weil man tatsächlich ja auch ärmer wird.
01:09:15: Das Ganze ist natürlich am Ende wirklich
01:09:17: eine Spirale, richtig?
01:09:18: Also die Inflation steigt, die Löhne
01:09:21: kommen nicht so richtig hinterher.
01:09:23: Wenn sie hinterherkommen, ist das aber
01:09:25: auch ein bisschen ungesund.
01:09:26: Wann wird denn das Ganze ein bisschen
01:09:28: gefährlich für die Wirtschaft?
01:09:30: Wann würgen hohe Zinsen, steigende
01:09:34: Inflationen die Wirtschaft ab?
01:09:37: Gibt es da aus dem Lehrbuch so eine gewisse
01:09:38: Formel, dass man sagen
01:09:39: kann, ab da wird es gefährlich?
01:09:42: Die Inflation ist in jedem Falle ein sehr
01:09:44: unsoziales Instrument.
01:09:46: Es hilft möglicherweise den Staaten, ein
01:09:48: Stück weit aus ihrer hohen
01:09:49: Verschuldung herauszuwachsen.
01:09:51: Aber es ist natürlich sehr unsozial, weil
01:09:53: es die ärmeren Bevölkerungsschichten
01:09:55: deutlich stärker betrifft,
01:09:57: als diejenigen, die sagen, ist mir egal,
01:10:00: ob das jetzt ein paar Euro
01:10:01: mehr oder weniger kostet.
01:10:03: Und insofern sind immer diese
01:10:05: Lohn-Preis-Spiralen natürlich etwas, worauf
01:10:07: die Notenbanken sehr genau achten.
01:10:09: Deswegen ja auch der
01:10:10: Hinweis von Frau Lagarde.
01:10:12: Die Notenbanken tun sicherlich gut daran,
01:10:15: sehr früh Zeichen zu setzen.
01:10:17: Die Europäische
01:10:18: Zentralbank hat das gemacht.
01:10:19: Die amerikanische hat mittlerweile einmal
01:10:22: nachgezogen. Also Zeichen zu setzen,
01:10:25: dass man die Inflation bekämpfen möchte,
01:10:28: damit eben nicht diese
01:10:29: Lohn-Preis-Spiralen entstehen.
01:10:31: Denn die sind in jedem Falle nachteilig,
01:10:34: nicht nur für die ärmeren
01:10:37: Bevölkerungsschichten,
01:10:38: nicht nur für den Konsum, sondern eben
01:10:40: auch für die Unternehmen, weil sie
01:10:42: Unsicherheit bilden.
01:10:43: Und deswegen, nochmal, ist es sicherlich
01:10:46: richtig, dass die
01:10:47: Notenbanken hier direkt dagegen vorgehen,
01:10:50: um die Inflation wieder zumindest in die
01:10:52: Richtung des Inflationsziels von zwei
01:10:55: Prozent zu schieben.
01:10:56: Nun haben wir so viele negative Dinge
01:10:58: aufgezählt, oder zumindest
01:10:59: die, wo es für uns teurer wird,
01:11:01: was ja nicht besonders gut ist, es gibt
01:11:02: aber natürlich auch
01:11:03: Profiteure in dem aktuellen Umfeld:
01:11:06: Das sind die Sparer. Es gibt endlich
01:11:08: wieder nennenswerte Zinsen, und teilweise
01:11:10: liegen die sogar über der Inflationsrate.
01:11:13: Warum ist das eigentlich so wichtig?
01:11:14: Ja, wir haben tatsächlich ganz gute
01:11:16: Realzinsen mittlerweile wieder.
01:11:19: Wir hatten das lange Zeit nicht, nach der
01:11:20: großen Finanzkrise vor 15 und der
01:11:24: Eurokrise vor über 15 Jahren,
01:11:28: dass die Zinsen quasi null waren und man
01:11:30: nichts bekam auf dem
01:11:32: Sparbuch und auch am Bondmarkt,
01:11:34: also bei den Anleihen, ja auch nicht
01:11:35: wirklich eine gute
01:11:36: Rendite erzielen konnte.
01:11:38: Mittlerweile hat sich das geändert.
01:11:40: In großen Teilen sind zumindest die lang
01:11:43: laufenden Zinsen höher als die
01:11:45: Inflationsrate und somit
01:11:47: die Realzinsen wieder positiv.
01:11:49: Das erfreut die Sparer, die wie gesagt
01:11:52: eine positive Rendite
01:11:54: insgesamt daraus ziehen können,
01:11:56: die sogar im historischen Vergleich, also
01:11:58: man guckt da immer sehr
01:12:00: stark auf die nominalen Zinsen,
01:12:02: die sehr viel stärker schwanken, die
01:12:04: realen Zinsen sind auf dem momentanen
01:12:06: Niveau im historischen
01:12:08: Vergleich sogar relativ attraktiv.
01:12:10: Ist das eigentlich ein Rückschlag für
01:12:11: unser zartes Pflänzchen einer
01:12:13: Aktienkultur, wenn es auf
01:12:15: einmal wieder Zinsen gibt?
01:12:16: Naja, zumindest kann man sagen, dass es
01:12:19: lange Zeit kaum Alternativen zum
01:12:21: Aktienmarkt gegeben hat,
01:12:23: weil eben keine Zinsen gezahlt wurden.
01:12:25: Mittlerweile sieht das
01:12:26: wieder völlig anders aus.
01:12:28: Deswegen lohnt es sich auch,
01:12:29: entsprechend zu diversifizieren.
01:12:31: Und das würde ich auch jedem raten, dass
01:12:33: man hier ein
01:12:34: ausgewogenes Portfolio fährt.
01:12:36: Nicht nur, wie zuletzt ja auch gesehen,
01:12:39: dass in einer Phase, in der die
01:12:41: Marktteilnehmer Risiko
01:12:44: aus ihren Portfolien nehmen,
01:12:46: die Bondmärkte wieder gefragt sind, die
01:12:47: Zinsen fallen und
01:12:48: damit die Kurse steigen,
01:12:50: sondern weil man eben insgesamt eine
01:12:52: recht ordentliche
01:12:54: Verzinsung erzielen kann.
01:12:55: Und man deswegen Risiken am Aktienmarkt
01:12:59: besser abfedern kann.
01:13:01: Und zu dieser Diversifizierung, zu der
01:13:03: Risikostreuung, gehört ja auch die
01:13:05: Anlageklasse Liquidität,
01:13:07: also flüssiges Kapital zu haben.
01:13:09: Und da ist man mit dem Tages- vielleicht
01:13:11: sogar einem nicht ganz so lang laufenden
01:13:13: Festgeldkonto auch ganz gut bedient.
01:13:16: Und den Notgroschen sollte man ja auch
01:13:17: irgendwo parken, möglichst mit ein
01:13:19: bisschen Zinsen, richtig?
01:13:20: Ja, das ist absolut richtig.
01:13:22: Es gibt natürlich auch am Bondmarkt
01:13:24: verschiedene Alternativen.
01:13:25: Wie gesagt, man kann auch kurz laufende
01:13:27: Anleihen investieren, die wesentlich
01:13:29: weniger stark dann im Kurs auf
01:13:32: Renditeveränderungen reagieren.
01:13:34: Man muss sich entscheiden, ob man
01:13:36: Staatsanleihen oder
01:13:37: Unternehmensanleihen kaufen möchte,
01:13:38: in welchen Staaten man das
01:13:40: Risiko bereit ist, zu gehen.
01:13:43: Bei den Unternehmensanleihen sehen wir,
01:13:45: dass die
01:13:46: Marktteilnehmer etwas skeptisch sind
01:13:49: Richtung zukünftiger Konjunktur aufgrund
01:13:52: der Energiepreise, der
01:13:53: Inflation, der Notenbanken,
01:13:55: ob die KI wirklich so trägt, wie das von
01:13:58: dem einen oder anderen erwartet wird.
01:14:00: Und insofern sind die guten Bonitäten
01:14:03: weniger in den
01:14:05: Risikoaufschlägen gestiegen,
01:14:07: als dass die schlechten Bonitäten sind.
01:14:10: Also hier gerade im Bereich der
01:14:11: Ramschanleihen, heute
01:14:13: sagt man ja, High Yield,
01:14:15: sind die Aufschläge doch
01:14:16: sehr ordentlich gestiegen.
01:14:18: Ich kann erinnern, dass wir vor wenigen
01:14:20: Monaten im Bereich
01:14:22: knapp über Ausfall bei sieben bis acht Prozent
01:14:27: Rendite vielleicht waren.
01:14:28: Mittlerweile sind wir
01:14:29: also wieder bei 15 Prozent.
01:14:31: Ob sich das Risiko dann lohnt, da hätte
01:14:34: ich allerdings Fragezeichen zu machen.
01:14:37: Denn wenn die Finanzierungskosten
01:14:39: tatsächlich so hoch bleiben,
01:14:40: dann kann es schon sein, dass wir auch da
01:14:42: den einen oder anderen
01:14:43: Ausfall sehen in der Zukunft.
01:14:45: Deswegen würde ich, wenn ich das Risiko
01:14:47: hier gehe, lieber das
01:14:49: Risiko im Aktienmarkt nehmen.
01:14:50: Habt ihr schon bei der Deutschen Bank
01:14:52: eine Prognose für das kommende Jahr:
01:14:54: Zinsen hoch oder Zinsen runter?
01:14:56: Oder ist es noch ein bisschen
01:14:58: zu früh für den Jahresausblick?
01:14:59: Na ja, wir sind jetzt
01:15:00: gerade Anfang November,
01:15:01: Jessica, das ist
01:15:02: sicherlich noch ein bisschen früh.
01:15:03: Wir arbeiten jetzt daran.
01:15:06: Wir werden unseren sogenannten CIO-Day
01:15:08: haben, also
01:15:09: Zusammenkunft des gesamten Konzerns,
01:15:12: wo wir über diese Themen
01:15:13: intensiv sprechen werden.
01:15:15: Und es werden sicherlich sehr gute
01:15:17: Diskussionen werden.
01:15:19: Und dann kommen wir zu gegebener Zeit
01:15:21: Ende November, Anfang Dezember,
01:15:23: dann damit raus, was wir
01:15:25: für das Jahr 2027 erwarten.
01:15:28: Und müssen natürlich dazu sagen, dass all
01:15:30: das auch mit
01:15:32: entsprechenden Unsicherheiten,
01:15:33: logischerweise, verbunden ist.
01:15:35: Denn wir wissen nicht, wie sich vor allen
01:15:38: Dingen auch die
01:15:38: Politik und die Wirtschaft
01:15:40: dann wirklich bewegen werden.
01:15:43: Aber aufgrund der aktuellen Informationen
01:15:45: kann man sicherlich versuchen,
01:15:47: eine solche Prognose zu geben.
01:15:49: Die werden wir ganz sicher auch hier in
01:15:51: den PERSPEKTIVEN To Go geben,
01:15:52: diese Prognose fürs nächste Jahr.
01:15:54: Aber unsere Zuhörerinnen und Zuhörer
01:15:55: müssen sich noch ein
01:15:56: paar Wochen gedulden.
01:15:58: Bis dahin danke ich dir
01:15:59: für diese PERSPEKTIVEN To Go.
01:16:01: Danke dir.
01:16:01: Sehr gerne.